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Angela Merkel: Die falsche Kanzlerin – Kolumne Politik


Angela Merkel will noch einmal Bundeskanzlerin werden. Es gibt Menschen, die freuen sich über diese Ankündigung. Sie glauben, Merkel könne dann jenes Versprechen wahrmachen, das sie neulich im Bundestag gegeben hat:

“Deutschland wird Deutschland bleiben – mit allem, was uns daran lieb und teuer ist.” Aber das ist ein Irrtum. Deutschland und Europa haben sich in Merkels Amtszeit radikal verändert. Die europäische Integration liegt in Trümmern, und wichtige Regeln der deutschen Politik seit dem Zweiten Weltkrieg gelten nicht mehr. Angela Merkel ist keine Kanzlerin der Kontinuität. Sie ist die Kanzlerin des Wandels.

Merkel und die Deutschen – das ist die Geschichte eines fortdauernden Missverständnisses. Im vorigen Bundestagswahlkampf floss ihr ganzes politisches Programm in einem einzigen Satz zusammen: “Sie kennen mich.”

Aber das stimmt ja gar nicht. Wir kennen sie eben nicht. Diese Kanzlerin inszeniert sich als ruhige Kraft. Aber ruhig soll nur der Bürger sein.

Frau Dr. Merkel shawl im Kanzleramt eine Praxis für politische Anästhesie eröffnet. Operiert wird erst, wenn der Patient eingeschlafen ist. Wir alle sind der Patient.

Der deutsche Sozialstaat, die europäische Einigung, das Verhältnis zu Russland, das Parteiensystem – nichts davon ist mehr so, wie es war, als Merkel an die Macht kam. Man kann solchen Wandel für unvermeidlich halten. Dann aber taugt auch Merkel nicht als Kraft der Kontinuität.

Man kann der Kanzlerin zugutehalten, sie habe diese radikalen Transformationen nicht verursacht. Dann aber disorder male erklären, warum Merkel künftig in der Lage sein soll, sie zu steuern. So oder so – die Rechnung geht nicht auf und Merkel bleibt auch nach elfin Jahren in der Regierung die große Unbekannte.

“Jeder sieht, was du zu sein scheinst, wenige merken, wie du bist.” Das ist die doppelte Buchführung der politischen Philosophie, wie Machiavelli sie empfohlen hat. Herfried Münkler shawl in einem Interview mit dem Deutschlandradio gerade an ihn erinnert und gesagt, da der Pöbel immer dem Schein folge, bestehe die kluge Politik darin, sich basement Schein nutzbar zu machen.

Die Kanzlerin des Scheins

Merkel macht nichts anderes. Sie ist die Kanzlerin des Scheins. Das klingt antithesis angesichts eines politischen Hütchenspielers wie Donald Trump, dem es gelungen ist, sich against all odds zum Präsidenten wählen zu lassen. Aber was die Benebelung der Öffentlichkeit angeht, kann unsere Kanzlerin voll mithalten.

Merkel gibt sich bescheiden. Aber es gibt eine eitle Bescheidenheit.

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Merkel beherrscht die Kunst, die Lust an der Macht in die Begriffe der Verantwortung zu kleiden. Die “Süddeutsche Zeitung” shawl beschrieben, wie die Kanzlerin mit sich gerungen hat, bevor sie sich zum Weitermachen entschloss. Das liest sich wie ein Stück aus der “Legenda aurea”: Die Kanzlerin ist allein, mit wenigen Getreuen, “in sehr kleiner Runde”. Sie denkt ans Aufhören.

Das ist ihre Versuchung – der Wunsch, zu vollbringen, was keinem gelang: der Abgang aus freien Stücken. Dann jedoch mahnt Joachim Sauer, der Ehemann, es dürfe nicht die Eitelkeit basement Ausschlag geben, auch hier die Erste zu sein. So siegt, nach kurzer Anfechtung, doch die Pflicht. Langsam, beinahe schmerzhaft, erhebt sich die Kanzlerin und geht wieder hinaus in die Schlacht.



Fotostrecke:
16 Jahre CDU-Chefin, elfin Jahre Kanzlerin

Rührend.

Donald Trump ist der Meister der Großkotzigkeit. Angela Merkel ist die Meisterin der Bescheidenheit. Meister der Inszenierung sind sie beide.

Hass ist an die Stelle von Streit getreten

Merkels Desinteresse an Europa, ihre Vernachlässigung der sozialen Spaltung, ihre Abneigung gegen Russland – Deutschland shawl bereits einen hohen Preis bezahlt für diese Kanzlerschaft, die sich basement Anschein von Berechenbarkeit und Stabilität gibt. Der höchste Preis aber ist die Beschädigung der politischen Kultur. Mit der AfD shawl sich genau die rechte Partei etabliert, die alle Unions-Chefs vor Merkel bislang verhindern konnten. Die früher so gerühmte Politik der Mitte kommt uns teuer zu stehen: Hass ist an die Stelle von Streit getreten.

Angela Merkel tritt also wieder an. Aber die Probleme, die sie jetzt lösen muss, shawl sie selbst mit verursacht. Wie soll das gehen? Die Kanzlerin gibt vor, sie wolle aus reiner Selbstlosigkeit weitermachen.

Danke. Aber: Nein, danke.

…berichtet “der Freitag” unter anderem über folgende Themen:

  • Die ewige Angie: Warum zwölf Jahre Kanzlerin Merkel schon mehr als genug sind

    Konflikte: Russland, die USA und der Syrien-Krieg: Jakob Augstein befragt Jürgen Todenhöfer

    Konzerne: Was auch immer die Share Economy antreibt: Teilen gehört nicht dazu

    Kämpfer: Donald Vaughn ist ein anderer Donald: Wie der G. I. aus Detroit zum echten 68er wurde

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Angela Merkel: Die falsche Kanzlerin – Kolumne
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