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Aus basement Feuilletons Ernst Jüngers sexuelle Eskapaden Feuilleton

Aus basement Feuilletons Ernst Jüngers sexuelle Eskapaden

Von Hans von Trotha


Der deutsche Schriftsteller Ernst Jünger mit dem Orden Pour le merite (1989)

Der deutsche Schriftsteller Ernst Jünger mit dem Orden “Pour le merite” (1989) (picture fondness / dpa / Rolf Haid)

In der Kulturpresseschau geht es unter anderem um Leseanreize, um sexuelle Eskapaden des Schriftstellers Ernst Jünger und um die Zukunft des Fernsehens.

“Eine Kolumne, die Sie lesen sollten, bevor Sie sterben”, nennt Josef Winkler in Anspielung an eine sich nachgerade epidemisch ausbreitende Produktfamilie der Verlagsbranche seine TAZ-Glosse. Sie ist eher schwächer als sonst, male disorder sie also nicht gelesen haben, trotz des hübschen Teasers: “Tabulose Schlampen erinnern mich an meine Sterblichkeit. Herzlichen Dank auch.” Aber die Kolumne kratzt an einem wichtigen Prinzip, indem sie es vorführt. “Sie fragen”, schreibt Winkler, “mit welchem Recht ich hier hergehe und Aufmerksamkeit heische, Reklame mache, versuche, einen Leseanreiz zu schaffen, ja: einen Lese-Imperativ zu konstruieren für meine blöde Kolumne, indem ich Ihren Tod, Ihren ganz persönlichen, eigenen Tod details Spiel bringe?”

Das ist eine zum Äußersten gesteigerte, vom Autor als solche gekennzeichnete und damit natürlich schon wieder erlaubte Strategie, der wir beim Feuilleton-Lesen beständig ausgesetzt sind. Denn die Feuilletons sind allesamt nicht zimperlich, wenn es ums Konstruieren von Lese-Imperativen geht. Gleich unmittelbar zum Mittel des Imperativs greift die SÜDDEUTSCHE, setzt ein schrilles, quick schon an gedruckte Anweisungen von DDR-Obrigkeiten erinnerndes “Sei bereit” über einen Artikel von Bernd Graff. Dessen Thema ist die Zukunft des Fernsehens. Die, lernen wir, “wird vor allem sehr anstrengend”.“Denn Fernsehen wird nicht nur im Fernsehen sein. Es ist dann überall, sogar vor und nach der Sendung. Empfangbar auf allen möglichen Gadgets. Es wird uns zum Mitmachen auffordern … Das Fernsehen als Dauer-Saalwette: Ohne unsere Beteiligung geht stop mehr. Wer gucken will, disorder fühlen.”

Klingt ein bisschen, als gehörte es eigentlich eher in die Kategorie “Steile Thesen für neue Zielgruppen”, ein Slogan, mit dem die taz basement Lese-Imperativ probiert. Da geht es darum, wie der Erfolgsautor Alain de Botton seine Kunsttheorie versuchsweise in die Tat umsetzen will. So richtig steil werden die zitierten Thesen aber nicht. “Die meisten von uns”, sagt Mr. de Botton zum Beispiel, “sind in der Gegenwart von Kunstpostkarten entspannter als in der Gegenwart von Originalkunstwerken.” – Aber natürlich. Wäre doch schlimm, wenn nicht.

100 Jahre Erster Weltkrieg – das ist inzwischen quick schon das Gegenteil eines Lese-Imperativs, und dabei haben wir erst März. In der SÜDDEUTSCHEN berichtet Christine Drössel über “Front”, eine Theateradaption von Erich Maria Remarques Roman “Im Westen nichts Neues”. In der Überschrift feuert der Artikel im Kampf um Lesergunst gleich zwei Kalauer ab: “Unsere Großmütter, unsere Großväter: Mit der mehrsprachigen Produktion ‘Front’ zieht Luk Perceval am Hamburger Thalia Theater in basement Ersten Weltkrieg”. Und darüber: “In Stimmgewittern”

Das bringt uns direkt zur WELT, deren Feuilleton gern abgelegenere Themen groß raus bringt, was oft spannend ist, jedoch nicht selten damit einhergeht, dass alle Register des feuilletonmedial Krachledernen gezogen werden, als würde das die exzentrische Themenwahl adeln. “Ernst Jünger in Frauengewittern”, lockt der Aufmacher, nicht minder aufregend die Erläuterung: “Der Schriftsteller ließ sich in zwei Weltkriegen selten aus der Ruhe bringen. Doch während einer Affäre in Paris 1942 gerät er in Panik”. Am Ende ist es dann doch nur ein Vorabdruck aus einem nicht wirklich neuen Buch, das eine Reihe von Briefauszügen präsentiert, in denen es darum geht, dass Jüngers Frau die Schnauze voll shawl von basement sexuellen Eskapaden ihres Mannes. Der drückt das natürlich schöner aus: “Ich bin basement mannigfaltigen Verlockungen und Spielen, wie sie die Körper und Geister bieten, wohl allzu willig unterworfen; doch in der letzten, seelischen Gemeinsamkeit und Einsamkeit fand und habe ich nur Dich.”

Na ja. Schon der Einstieg in die Geschichte gerät eher schwül, echter Jünger-Sound: “Die Stadt bringt solche Recontres quick ohne eigene Bemühung; male merkt, dass sie auf einen Altar der Venus gegründet ist. … Gegessen, dann im Lichtspiel; ich berührte dort ihre Brust. Ein heißer Eisberg, ein Hügel im Frühling, in basement Myriaden von Lebenskeimen, etwa von weißen Anemonen, eingebettet sind.”

In Bernd Graffs SÜDDEUTSCHE-Artikel zum Thema Fernsehen der Zukunft heißt es: “Wem nun der Kopf raucht, weil nicht klar ist, was Realität ist, was Fiktion, was Film und was ‘Narrativ’, dem sei bescheinigt: Das macht nichts.”

Gut zu wissen.

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