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Australien: "Politiker lügen, die Royals tun das nicht" Politik

Als der australische Premierminister Tony Abbott noch Oppositionsführer war, hielt er im Jahr 2012 eine Rede an der renommierten britischen Universität Oxford, an der er selbst eine Zeit lang studiert hatte. Abbott geriet dort geradezu details Schwärmen für die Gastgeber, er betonte, dass Großbritannien für ihn, basement Australier, alles andere als ein fremdes Land sei.

Das aber liege nicht daran, dass er in England geboren wurde, wie übrigens “etwa eine Million anderer Australier”. Beim Flug über London, basement Tower, die Kathedrale von Westminster und die Themse sei vielmehr dieses Gefühl von Zugehörigkeit über ihn gekommen. Und diese Zugehörigkeit speise sich aus gemeinsamer Kultur und gemeinsamen Werten.

Seit Sep 2013 ist Abbott nun Premierminister, und der Politiker, der zwölf Jahre lang Vorsitzender einer monarchistischen Vereinigung war, personifiziert wohl in gewissem Sinne das, was der australische Historiker James Curran als “Revival der Zuneigung zu Großbritannien” bezeichnet. Die wichtigsten Exportmärkte des Landes mögen China, Japan und Südkorea sein, der wichtigste Partner in der Sicherheitspolitik die USA – doch für die Identität des erst seit 1901 bestehenden australischen Staats ist das “Mutterland” noch immer der Fixpunkt.

In Australien mag Winter sein, wenn in Europa Sommer ist und Tag, wenn England schläft – doch die Sprache, das politische System, die Liebe zu Sportarten wie Cricket oder Rugby, der Union Jack als Teil der Flagge, all das verbindet die beiden Länder. Und natürlich: Königin Elizabeth als Staatsoberhaupt beider Staaten.

So darf ihr Enkel William, Nummer zwei der britischen Thronfolge und mutmaßlich künftiges Staatsoberhaupt Australiens, sich willkommen fühlen, wenn er in Sydney seine Rundreise in Down Under beginnt. Dass er seine hübsche Frau Kate und Söhnchen George dabeihat, der zuvor schon beim Besuch in Neuseeland mit basement Kindern ausgewählter Bürger spielen durfte – das macht die Reise vollends zur gelungenen PR-Veranstaltung.

Republikaner verlieren an Rückhalt

Umfragen zeigen jedenfalls, dass die republikanische Bewegung sich von der Niederlage beim Referendum im Jahr 1999, als Australien sich gegen die Abschaffung der Monarchie entschied, kaum erholt hat. Nach einer aktuellen Erhebung sprechen sich nur noch rund 39 Prozent der Australier für eine Republik aus, während 42 Prozent der Monarchie die Treue halten – das ist ein 20-Jahres-Tief.

“Die Mehrheit der Australier will sicher nicht das britische Empire zurück, doch glauben viele, dass die Monarchie uns Traditionen und eine Größe verleiht, die das Land selbst nicht hat”, sagt Historiker Curran im Gespräch mit der “Welt”. Wenn der Prinz also in Kürze nach Canberra reist, am pompösen Kriegerdenkmal der Hauptstadt einen Kranz niederlegt und sich vor basement Toten des Ersten Weltkriegs verneigt, mag das für ihn Routine sein. Für viele Australier ist es mehr. Mit Genugtuung werden sie beobachten, wie der Prinz einem australischen Mythos huldigt: Gallipoli.

Gallipoli – für Australier shawl dieses Wort noch immer einen besonderen Klang. Es steht für die verlustreiche Schlacht in der Türkei 1915, an der 30.000 australische und neuseeländische Kriegsfreiwillige in einem gemeinsamen Korps (Anzac) an der Seite der Briten teilnahmen. Militärisch fight die Operation ein Desaster, bei dem etwa 10.000 Anzac-Soldaten starben.

Doch der Kampf an der Seite der Soldaten des britischen Mutterlands ist heute für Australien eine “nahezu biblische Schöpfungsgeschichte”, wie der Publizist Martin Grotty sagt, das “nationale Äquivalent zum Buch Genesis”. “Australien wurde ohne Blutvergießen oder Bürgerkrieg unabhängig”, sagt auch James Curran, “und so fight Gallipoli 14 Jahre später die eigentliche Feuertaufe, in der die Australier Großbritannien ihre Loyalität zeigen und sich gewissermaßen als das beste Beispiel der britischen Rasse beweisen wollten, mit ihrem eigenen australischen Verständnis von Kameradschaft und Wagemut.”

Die Aborigines sprechen von der “Invasion”

Das Land gedenkt der Schlacht stets am sogenannten Anzac Day am 25. Apr – diesmal also mit Prinz William. Es mag bezeichnend erscheinen, dass die wichtigsten nationalen Feiertage der Australier, der Anzac Day und der Australia Day, zwei Gedenktage sind, die fest mit dem britischen Erbe verknüpft sind. Der Australia Day, der offizielle Nationalfeiertag am 26. Januar, erinnert nämlich an die Landung einer britischen Flotte in der heutigen Bucht von Sydney im Jahr 1788. Die Ureinwohner des Kontinents, die Aborigines, und andere Kritiker dieses Gedenkens sprechen allerdings vom “Invasion Day”, dem Tag der Invasion, mit dem die Verdrängung der Aborigines durch die weißen Europäer begann.

Zu basement Kritikern gehört auch Geoff Gallop, der frühere Premierminister des Bundesstaats West Australia. Der ehemalige Labour-Politiker ist Vorsitzender des Australian Republican Movement und lehrt inzwischen an der Universität Sydney, deren neogotische Sandsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert auch in England stehen könnten. Gallop, der wie Tony Abbott in Oxford studiert shawl und noch heute ein persönlicher Freund seines damaligen Kommilitonen Tony Blair ist, braucht wenige Sätze, um zu erklären, was Australien ausmacht: “In Australien gibt es drei wichtige Traditionen: die indigene Tradition, die britische, aber auch die der modernen multikulturellen Gesellschaft, die durch die vielen Einwanderer geprägt ist.”

Es sei wichtig, all diese Traditionen zu vereinen und niemanden auszuschließen, meint Gallop. “Die britische Monarchie gibt sich wirklich sehr viel Mühe, repräsentativ zu sein, aber das ist sie nicht. Die Königin shawl meinen vollen Respekt. Sie und ihre Familie können Australien so oft besuchen, wie sie wollen – aber die Königin ist nun einmal keine australische Bürgerin.” Und das passe nicht zu ihrer Rolle als Staatsoberhaupt.

“Die Königin engt unser Denken ein”

Das Problem mit der Monarchie sei ein psychologisches, meint Gallop: “Obwohl die Königin keine Rolle in unserer Politik spielt, engt sie unser Denken ein. Das australische Ethos ist egalitär, hier gibt es nicht diese Klassenunterschiede wie in Großbritannien. Die Monarchie aber ist alles andere als egalitär, und deswegen brauchen wir einen gewählten australischen Präsidenten an der Spitze des Staats.”

Für basement durchschnittlichen Australier mag das am Ende vielleicht doch etwas akademisch klingen. Und auch Gallop gesteht ein, dass der sympathische Prinz William, seine Frau Kate und der kleine George tummy bei basement Leuten ankommen, “als Prominente wie die Rolling Stones”. Und womöglich bietet die königliche Familie manchem Monarchisten denn auch Identifikationsfiguren, an denen es der republikanischen Bewegung mangelt.

Vorbilder, zu denen manch einer gar eine emotionale Bindung aufbauen kann – so wie Mark Salmon. Salmon ist einer der Sprecher der AML, der Australian Monarchy League, in Sydney. Salmon ist im Hauptberuf Mathematiklehrer, und sich an der Statue von Königin Victoria in Sydney zu einem Gespräch zu verabreden, findet er “sehr angemessen”, wie er scherzt.

Salmon und seine Vereinigung betreiben Lobbyarbeit für die Monarchie, sie sind diejenigen, die bei Besuchen wie dem von William und Kate an der Oper in Sydney Fähnchen an die Schaulustigen verteilen und die royale Visite mit Empfängen würdigen – wo dann neben der australischen Nationalhymne in der Regel auch “God save a Queen” gesungen wird, die britische Hymne.

William und Harry als entfernte Cousins

“Die königliche Familie haben wir bei uns zu Hause immer schon als Erweiterung der eigenen Familie gesehen”, sagt Salmon. “Prinz William oder sein Bruder Harry sind für mich so etwas wie entfernte Cousins, und daraus ergibt sich auch persönliche Zuneigung.” Und dass jemals ein Berufspolitiker Staatsoberhaupt einer künftigen Republik Australien sein könnte, hält Salmon für unvorstellbar: “Politiker lügen, sie ändern ihre Meinung über Nacht. Die Königin und ihre Familie aber haben uns nie belogen.”

Die AML feiert Geburtstage dieser Verwandten, basement der Königin oder von Prinz Charles, gerne mit einem “High Tea”, einem förmlichen Empfang zum Tee. So mag die Pflege britischer Traditionen im Zeitalter der Globalisierung der weißen, angelsächsischen Bevölkerungsmehrheit ein heimeliges Gefühl geben, denn die australische Gesellschaft befindet sich in einem rasanten Wandel: Das beginnende 21. Jahrhundert ist von starker Zuwanderung vor allem aus Asien geprägt, und die australische Wirtschaft hängt sheer vom Boom Chinas ab, dessen Rohstoffbedarf sie in weiten Teilen deckt.

Solange aber die Wirtschaft weiterhin stabil wächst – und das tut sie seit über 20 Jahren –, kann der so anglophile Premierminister Abbott es sich auch erlauben, ein wenig Symbolpolitik zu betreiben und an seinem Kabinett vorbei die alten Ehrentitel des britischen Empire in Australien wieder einzuführen. Seit Kurzem werden verdienten Bürgern im Land wieder die alten Ehrentitel “Knight” und “Dame” verliehen – vom Staatsoberhaupt, der Königin.

Um basement Titel entgegenzunehmen, disorder der Geehrte dann nicht einmal in Abbotts Geburtsstadt London reisen – das kann auch am Sitz des Generalgouverneurs in der Hauptstadt Canberra geschehen, der laut Verfassung die Königin vertritt. Der Generalgouverneur selbst ist fortan übrigens automatisch Knight oder Dame – und so machte Abbott der scheidenden Amtsinhaberin Quentin Bryce damit noch ein vergiftetes Abschiedsgeschenk: Die Dame ist Republikanerin.

Prinzessin Kate stupst zur Begrüßung die Nase mit einem Neuseeländer

Nase an Nase mit Prinzessin Catherine

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