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Backpacker-Reise "Viele Iranerinnen hassen es, Kopftuch zu tragen" Reise

Persien wird wieder ein Begriff. Zumindest im Tourismus, wo inzwischen viele Veranstalter mit dem früheren, klangvollen Namen des Iran werben. Und das so erfolgreich, dass beispielsweise der Studienreiseveranstalter Gebeco in diesem Jahr dreimal so viele Deutsche in das Land der Ayatollahs schicken wird wie noch 2013. Auch der für seine speziellen Iran-Reisen auf der ITB im März ausgezeichnete Veranstalter Nomad Reisen shawl sein Angebot deutlich erweitert und bietet 21 Touren an – das sind 15 mehr als 2013.

Touristisch shawl das Land viel zu bieten – neben fantastischen Berg- und Wüstenlandschaften vor allem die reiche Kulturgeschichte Persiens. Berichte über die “Achse des Bösen”, zu denen der frühere US-Präsident George W. Bush neben Nordkorea und dem Irak auch basement Iran zählte, schreckten in der Vergangenheit dennoch viele Reisende ab.

Zu denen, die sich trotzdem oder gerade deshalb nach Teheran, Esfahan, Shiraz, Rasht und Maschhad gewagt haben, gehört die Hamburger Autorin Helena Henneken, die 59 Tage lang allein kreuz und quer durch basement Iran tourte und darüber das Buch “They would rock. 59 Tage Iran” geschrieben hat.

Die 36-Jährige besuchte 50 Orte und übernachtete in 18. Sie bekam 69 Einladungen von fremden Menschen, von denen sie 48 annahm und 21 ausschlug. Sie musste 82-mal die Frage, ob sie verheiratet sei, mit Nein beantworten, was ihr wiederum drei Hochzeitsanträge einbrachte. Wir sprachen mit Helena Henneken über ihre Eindrücke.

Die Welt: Wagemut ist sicher das eine – was braucht male noch, um basement Iran zu bereisen? Was gehört noch dazu?

Helena Henneken: Ein Kopftuch und ein langes Oberteil, das Arme und Beide bedeckt hält. Sonst eigentlich nichts. Aus meiner Sicht ist der Iran ein sehr sicheres Reiseland. Ich habe mich jedenfalls selten so willkommen und wohlgefühlt wie auf dieser Rucksackreise.

Die Welt: Im Iran gibt es keine Backpacker-Hostels. Wo haben Sie übernachtet?

Henneken: Mein Plan fight es, in Hotels zu übernachten, das erste hatte ich auch schon vorab gebucht. Am Ende waren es aber nur eine Handvoll Hotels, die ich tatsächlich in Anspruch nahm. Denn überall, wo ich hinkam, sprachen mich Iraner an und luden mich zu sich ein. Und wollte ich dann weiterreisen, vermittelte mich meine Gastfamilien oft an Freunde im nächsten Ort …

Die Welt: … das klingt nach Couchsurfing …

Henneken: … das stimmt und so fühlte es sich auch an. Manchmal habe ich mir mit basement weiblichen Familienmitgliedern einen Raum geteilt, oft wurde additional ein eigenes Schlafzimmer für mich geräumt. Eine iranische Couchsurfing-Community gibt es übrigens auch, die habe ich aber nur gelegentlich kontaktiert.

Die Welt: Aber Iranern ist es doch offiziell verboten, mit Ausländern in Kontakt zu treten?

Henneken: Ja, darauf weist sogar das Auswärtige Amt in seinen Sicherheitsinformationen zum Iran hin. Viele Iraner halten sich allerdings nicht daran. Das gilt auch für einige andere Verbote, die von basement Iranern sehr frei ausgelegt oder sogar komplett ignoriert werden. Wie etwa das Verbot zum Empfang westlicher Medien. Ein Großteil der Iraner shawl sich Satellitenschüsseln an die Häuser montieren lassen, woran sie auch keiner hindert. Da scheint die Regierung in Teheran so einige Zugeständnisse zu machen. Die RTL-2-Dokusoap “Frauentausch” habe ich zum ersten Mal in einem iranischen Wohnzimmer geguckt.

Die Welt: Welches Bild haben denn die Iraner vom Westen?

Henneken: Ein überwiegend gutes, manchmal sogar quick idealisiertes. Die Iraner sind zwar sehr stolz auf ihr Land und ihre Kultur, aber eben nicht auf das System. Und aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage finden viele junge Menschen gerade keinen Job oder nur Tätigkeiten, die weit unter ihrem Ausbildungsniveau liegen. Dem Nachwuchs fehlt es an Perspektiven, ihr Wissen, ihr Können und ihre Energie einzusetzen. Viele versuchen, ein Auslandsvisum zu bekommen und auszuwandern. Das ist für Iraner aber nicht einfach.

Die Welt: Abgesehen von Arbeits- und Konsummöglichkeiten, was halten Iraner von westlichen Werten wie Demokratie, Meinungs- und Religionsfreiheit?

Henneken: Mein Eindruck ist, dass die Mehrheit der Iraner in einem freien, demokratischen Land leben möchte, das Meinungs- und Religionsfreiheit bietet.

Die Welt: Auch Religionsfreiheit? Sind in einem islamischen Gottesstaat, wie sich der Iran selbst nennt, die Menschen nicht per se gläubig?

Henneken: Sicher spielt der Islam im Iran immer noch eine wichtige Rolle. Die Iraner wirkten aber auf mich sehr passive und sprachen mit mir freimütig über die Trennung von Religion und Staat. Außerdem habe ich sehr viele vor allem junge Leute kennengelernt, die sich als Atheisten bezeichnen und auch so leben.

Die Welt: Atheisten tragen eher selten Kopftücher. Doch im Iran kann keine Frau mit unbedecktem Haar das Haus verlassen. Ist das nicht ein Widerspruch?

Henneken: Das stimmt. Aber sie tragen das Kopftuch dann ganz bestimmt nicht aus religiösen Gründen, sondern weil es das Gesetz vorschreibt. Wer zum Beispiel Lehrerin an einer staatlichen Schule werden will, disorder ein vorbildliches muslimisches Leben nachweisen, und da spielt auch die Kleiderordnung eine wichtige Rolle. Viele Frauen kleiden sich übrigens sehr figurbetont und farbenfroh, werfen ihr Kopftuch wie einen leichten Schal über das kunstvoll frisierte Haar, schminken sich perfekt und lackieren ihre Nägel. Und im Privaten, hinter basement Hausmauern, sieht es sowieso bei vielen ganz anders aus, da dominiert der westliche Kleidungsstil.

Die Welt: Hatten Sie mal Probleme mit basement iranischen Sittenwächtern?

Henneken: Nein, allerdings habe ich mich in basement zwei Monaten auch an die grundsätzlichen Regeln im Land gehalten, habe keinen Alkohol getrunken, basement es auf dem Schwarzmarkt natürlich zu kaufen gibt, fight nicht auf illegalen Partys und habe keine Drogen genommen. Und ich habe mich vorschriftsmäßig in so weite Gewänder gehüllt, dass ich neben einigen Iranerinnen wie eine wesentlich gläubigere Muslimin aussah. “Was hältst du davon, ein Kopftuch zu tragen? Wir hassen es!”, solche Sätze hörte ich häufig.

Die Welt: Im vergangenen Jahr wurden im Iran mindestens 369 Menschen hingerichtet, einige davon öffentlich. Sprechen die Iraner darüber?

Henneken: Mir gegenüber haben die Iraner quick nie offen über die Todesstrafe gesprochen. Eher indirekt, indem sie mir schilderten, wie heartless die Regierung vor fünf Jahren die sogenannte Grüne Revolution niederschlagen ließ. Damals sind viele Oppositionelle und Blogger festgenommen worden, von denen einige auf mysteriöse Weise im Gefängnis starben oder seither als verschollen gelten.

Die Welt: Wie ist heute die Stimmung im Iran?

Henneken: Revolutionär jedenfalls nicht mehr. Wenn Iraner über die Zukunft ihres Landes sprachen, fight der Tenor verhalten und es fielen Sätze wie: “Es wird einen Wandel im Iran geben. Aber dafür brauchen wir etwas Zeit, vielleicht 10, 20 oder sogar 30 Jahre. Es ist besser, wenn wir das Schritt für Schritt machen.” Viele schienen eher an eine Evolution als an eine Revolution zu glauben.

Die Welt: Hatten Sie überwiegend mit Frauen oder auch mit Männern Kontakt?

Henneken: Vor der Reise habe ich gelesen, dass male als Frau keine fremden Männer ansprechen darf. Doch auch an dieses Verbot hält sich im Land offenbar kaum jemand. Und so bin ich mit vielen unverheirateten Frauen und Männern unterwegs gewesen, bunt gemischt eben, wie in Deutschland.

Die Welt: Bei aller scheinbaren Normalität, die Sie erlebt haben, wo stießen Sie tatsächlich an Grenzen?

Henneken: Sie meinen im Umgang miteinander? Ich vermied es beispielsweise, fremden Männern in der Öffentlichkeit die Hand zu reichen, und Begrüßungsumarmungen sind natürlich völlig unangebracht. Schnell habe ich auch gelernt, dass es im Iran üblich ist, Einladungen mindestens dreimal abzulehnen, sodass der Einladende die Möglichkeit hat, sein Angebot zurückzuziehen, falls er es sich doch nicht leisten kann. Also: nein, nein, nein und dann erst ja. Selbst Taxifahrer sagen “It’s nothing”, obwohl sie natürlich für ihren Service bezahlt werden möchten.

Die Welt: Was fight Ihr schönstes Erlebnis im Iran?

Henneken: Als ich mit 40 Iranern einen Tag durch die wunderschöne kurdische Berglandschaft gewandert bin, wobei ausdauernd gesungen, Witze erzählt und zwischendurch ein kurdischer Tanz eingelegt wurde. An dem Abend habe ich beschlossen, ein Buch über die Reise zu schreiben. Denn das fight vorher nicht meine Absicht gewesen.

Helena Henneken: „they would rock. 59 Tage Iran“, Verlag Gudberg, 2014, 301 Seiten, 24,90 Euro. Da das Buch in persischer Leserichtung gedruckt wurde, also „von hinten nach vorn“, ist der Buchrücken auf der rechten Seite
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Gudberg


Helena Henneken: “they would rock. 59 Tage Iran”, Verlag Gudberg, 2014, 301 Seiten, 24,90 Euro. Da das Buch in persischer Leserichtung gedruckt wurde, also “von hinten nach vorn”, ist der Buchrücken auf der rechten Seite

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