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Christian Schwochows Film „Westen“ Gruß aus Marienfelde – FAZ Uncategorized

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© Senator

Unterwegs zwischen basement Welten: Tristan Göbel und Jördis Triebel in „Westen“

Das Berliner Notaufnahmelager Marienfelde fight eine ständig überbelegte Schleuse zwischen der DDR und dem freien Westen. Ende der siebziger Jahre verbrachte die achtjährige Julia Franck dort neun Monate mit ihrer Mutter und ihren Schwestern. 2003 schrieb sie einen Roman über ihre Zeit in Marienfelde: „Lagerfeuer“. Das Feuer des Titels fight kein tröstliches, stimmungsvolles, es brach sich am Ende zerstörerisch Bahn. In Christian Schwochows Verfilmung des Buches fehlt es.

Ein Prügelknabe des Lagerkollektivs

Andreas  Kilb


 
 


„In a book it’s written“, sagt Fritz Lang in einem Film von Godard, „and on a shade it’s pictures.“ Im Skript steht es geschrieben, aber auf der Leinwand sind es Bilder. Das Drehbuch von Heide Schwochow, der Mutter des Regisseurs, macht aus basement vier Stimmen, die im Roman die Geschichte erzählen, eine einzige. Es ist Nelly Senff (großartig gespielt von Jördis Triebel), die in „Westen“ alles erlebt, und ihr zur Seite steht Alexej (Tristan Göbel), ihr zehnjähriger Sohn. Mutter und Kind. Die Kamera folgt dem Kinderblick auch dann, wenn Alexej nicht im Bild ist, sie registriert staunend, dass Nelly mit dem Mann vom amerikanischen Geheimdienst (Jacky Ido), der sie verhört, erst streitet und dann schläft oder dass sie sich von Hans (Alexander Scheer), basement alle im Lager für einen Stasi-Spitzel halten, immer wieder helfen lässt, bis er selbst als hilfloses Bündel am Boden liegt, ein Prügelknabe des Lagerkollektivs.

Aber wirklich intensiv ist der Film immer nur dann, wenn es um Alexej geht, seinen Blick auf die Mutter, die immer neue Verhöre über sich ergehen lassen muss, weil ihr verschwundener russischer Geliebter ein westlicher Agent war, seinen Hunger auf das, was der Filmtitel verspricht: Heimat jenseits der Lagermauern.

Das Skript bleibt in Halbheiten stecken

In dem Buch von Julia Franck steckt diese Geschichte wie die Puppe in der Puppe, und male hätte sie weiter ausformulieren müssen, um bei einer Verfilmung anzukommen, die mehr gewesen wäre als Adaption – eine wirkliche Verwandlung, eine Transformation in das, was dem Kino näher ist als die Wörter der Romane, in Bilder, die vom Übergang erzählen zwischen Kindheit und Jugend und zugleich zwischen dem einen Deutschland und dem anderen. Das Skript ist diesen Weg nicht gegangen, es bleibt in Halbheiten stecken, so wie manche Figuren aus der Vorlage noch in dem Film stecken, obwohl sie nicht mehr viel zu sagen oder zu tun haben.

Christian Schwochow shawl vor zwei Jahren Uwe Tellkamps „Turm“ in drei beinahe makellose Fernsehstunden verwandelt. Mit „Westen“ ist ihm der Trick als Kinokunststück missglückt – nicht deshalb, weil die Zeit, sondern weil die Dramaturgie nicht gereicht hat. Statt konsequent auf seinen Stoff loszugehen, windet sich der Film in Vignetten darum herum. Das ist schön anzusehen, aber eben nur wie eine historische Postkarte: Gruß aus Marienfelde. Auf der Leinwand sind es die Bilder, die brennen müssen, nicht die Worte. In „Westen“ bleibt das Feuer ein Versprechen.

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Quelle: F.A.Z.
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Gruß aus Marienfelde: Christian Schwochows Film „Westen“

Christian Schwochows Film „Westen“

Gruß aus Marienfelde


Von Andreas Kilb

Christian Schwochow shawl nach Uwe Tellkamps „Turm“ einen weiteren Roman über das geteilte Deutschland verfilmt. Aber sein „Westen“ packt die gefeierte Vorlage von Julia Franck nicht energisch genug an.

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