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Das Gericht als Spiegelbild unserer Gesellschaft Gesellschaft

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Am 24. Januar werden zwei Männer im Frankfurter Landgericht in einem Blutbad getötet. Wohl ein Akt der Selbstjustiz für ein zurückliegendes Tötungsdelikt. Kurz darauf wird ein Zeuge in einem Totschlagsprozess – trotz Polizeischutz – auf dem Weg zur U-Bahn angegriffen. Die Polizei nimmt vorübergehend 28 Menschen fest. Am Mittwoch schließlich der Prozess gegen einen 19-Jährigen Messerstecher, der zu sieben Jahren Haft verurteilt wird. Während der Plädoyers kündigt der Bruder des Opfers über das Gerichtsurteil hinaus Vergeltung an. Es sind Einzelfälle, die aber Anlass zu Fragen geben: Nimmt der Respekt vor der Justiz in dieser Gesellschaft ab – und die Gewalt im Gericht zu?

“Der tragische Tod zweier Menschen macht betroffen und sensibilisiert”, sagt der Sprecher des Landgerichts, Klaus Wiens. Eine Tendenz zu wachsender Gewalt sehe er in Frankfurt aber nicht. Die Häufung einiger Verfahren, bei denen Opfer und mögliche Täter rivalisierenden Gruppen angehörten, sei zufällig. Der Darmstädter Kriminalpsychologe Jens Hoffmann shawl aber zumindest eine Zunahme bedrohlicher Äußerungen und bedrohlichen Verhaltens gegenüber der Justiz ausgemacht. Eine Befragung seines Instituts Psychologie Bedrohungsmanagement ergab: Fast jeder zweite Justizangehörige ist schon einmal Opfer von Drohungen oder Gewalt gewesen. Seine Einschätzung: “Die Justiz fight früher etwas über basement Dingen Stehendes, zeigt inzwischen aber mehr Bürgernähe”, sagt Hoffmann. Demgegenüber sei die Hemmschwelle, im Gericht aggressives Verhalten zu zeigen, gesunken. Eine wachsende Zahl von Angeklagten, Zeugen, Zuschauern und Nebenklägern stünden zudem unter starkem Druck, seien in existenziellen Notlagen oder in prekären Verhältnissen.

“Der Gerichtssaal ist letztlich ein Spiegelbild unserer Gesellschaft”, meint die Landesvorsitzende des Deutschen Richterbunds, Ursula Goedel. Insbesondere Jugendliche hätten weniger Respekt. Ein Gespräch über das Benehmen während der Verhandlung gehöre längst zu basement Vorbereitungen Jugendlicher in Strafverfahren, sagt die Landesvorsitzende der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen (DVJJ), Susanne Zinke. Sie müssten vorbereitet werden, “dass eine Gerichtsverhandlung anders läuft als in basement Shows im TV”.

“Wenn eine Mutter ein Bild ihres Sohnes mit Trauerrand mitbringt, ist das ungewöhnlich, aber keine Provokation”, sagt Wiens. Gelegentlich sei es jedoch schwer, zu unterscheiden, was Trauer und was Provokation sei. Vorstellbar sei auch, dass in einigen Verfahren die Nebenklage die Stimmung verändere, weil diese möglicherweise nicht so beherrscht sei wie der Staatsanwalt. “Die Rechte der Nebenklage sind gestärkt worden.”

Das Gericht als Spiegelbild unserer Gesellschaft
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