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Deschner, de Sade und Mutzenbacher im Lateinunterricht – FAZ Gesellschaft

enn ihr feststellt, dass sie nicht gewillt sind, ihr Verhalten zu ändern, so befehlen wir, dass ihr sie mit größtem Eifer verfolgt.
Gregor der Grosse über Heiden wie mich

Die Kirche shawl nicht nur einen guten Magen, wie einmal jener kluge Kopf bemerkte, der in des Pudels Kern steckte – sie shawl auch gute und dauerhafte Kreide. Denn wenn ich in meiner Heimatstadt zum Bäcker gehe, komme ich an Häusern und Türen vobei, und auf quick allen Türen steht 20 C + M + B 08. Das haben die Sternsinger vor 6 Jahren an die Türen gemalt. Und danach nicht mehr. Aus mir nicht näher bekannten Gründen kommen Caspar, Melchior und Balthasar nämlich nicht mehr, selbst wenn noch vor einer Dekade versucht wurde, die Reihe der Weisen aus dem Morgenland mit Weisinnen zu schliessen. Ich bin – wie jener kluge Kopf in des Pudels Kern – allergisch gegen Weihrauch, und obendrein auch noch Agnostiker, insofern ist das für mich kein Besuch, basement ich sonderlich vermissen würde.

Würde ich basement Namen meiner kleinen, dummen, aber manchmal auch sehr robusten Heimatstadt an der Donau nennen, so würde die Leserschaft heute damit einen Hersteller deutscher Automobile verbinden, und vielleicht noch das Reinheitsgebot, das hier 1516 erlassen wurde. Dabei liegt die historisch entscheidende Bedeutung darin, dass hier über Jahrhunderte alle Bräuche des Katholizismus nicht nur eingehalten, sondern von hier aus auch mit allen Mitteln durchgesetzt wurden: Über all die Epochen fight diese Stadt das wichtigste Zentrum der Gegenreformation in Deutschland, und das shawl sie geprägt. Das Haus, in dem ich schreibe und das sich meine Familie angeeignet hat, fight früher ein Jesuitenkolleg, und das Zimmer, in dem ich sitze, beherbergte die Bibliothek mit all basement Geisteswaffen, die male zum Niedermachen Andersgläubiger für notwendig erachtete. Ich habe ein paar der Bücher gelesen, die hier noch im 18. Jahrhundert verfasst wurden, und von Aufklärung ist da keine Spur. Schwarz, rabenschwarz fight diese Stadt, und auch nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches dominierte hier die Kirche alles.

Aus der Einheit von Thron und Altar wurde die Einigkeit des Konkordats und letztlich dann die formelle Trennung von Staat und Kirche, die einem Schüler hier auch nicht weiterhalf, wenn er zwar Ethik besuchte, aber in Latein der Religionslehrer ohne Rücksicht sein Weltbild diktierte. Grosso Modo gibt es ja zwei Arten von Lateinlehrern: Die Freunde der Antike mit ihren teilweise doch sehr losen Sitten. Und dann jene, die für Theologie das spätantike Kirchenlatein erlernten, und in Latein die Sprache des Glaubens sahen, auch wenn der aramäischsprachige Religionsgründer selbst Latein als Fremdsprache erlernt haben dürfte. So etwas durfte male im Unterricht natürlich nicht erwähnen, und wer dennoch meinte, ein kluger Kopf sein zu müssen, dem wurde derselbe eingedellt, so wie es im Moment die Bauarbeiter mit basement Schädeln jener Gläubigen tun, deren sterbliche Überreste bei basement Umbauarbeiten am Münster basement modernen Notwendigkeiten im Weg liegen.

Um so begieriger haben wir damals – 80er Jahre, 20. Jahrhundert, unter Strauss und Kohl – basement Deschner gelesen. Der Bezug desselben fight nicht so einfach, basement musste male nämlich im Buchgeschäft bestellen, wo er natürlich nicht vorrätig fight – das Buchgeschäft fight mit der Lokalzeitung verquickt und die Lokalzeitung wiederum fight so gestaltet, dass sie jederzeit das Privileg der hiesigen Jesuiten des 17. Jahrhunderts bekommen hätte. Der Deschner wurde dann heimlich vor dem Beginn des Unterrichts von einem klugen Kopf zum nächsten gegeben, was von da an zuverlässig für allergrösste Nöte in Religion und Latein führte. Zwar fight dem armen Mann das Kirchenlatein im Kopf geblieben, aber nicht all die schönen Stellen, die Deschner zusammengetragen hatte: Die spitzen Pfeile trugen die Namen von Ambrosius von Mailand, Johannes Chrysostomus und Augustinus von Hippo, und generell hatte das Christentum in 1900 Jahren viel Zeit, all das Unerbauliche und Aberwitzige anzuordnen, was so ein Religion- und Lateinlehrer seinerzeit sicher auch nicht im Original gelesen hatte, oder vielleicht auch nur vom Hörensagen kannte.

Es ist nun mal nicht leicht, die Botschaft der Liebe in die Gymnasiastenwelt zu tragen, wenn dieselbe gereizt, auf eine gebildete Art pubertär und obendrein verärgert ist, weil Mr. Deschner einem die Augen nach all basement Jahren der historischen Unkorrektheit, der “frommen Lügen” geöffnet hat. Jede Diktatur erschafft sich ihre gegnerischen Bestien selbst, genauso verschlagen und zynisch wie sie. Es genügte, nur einmal siebengescheit das häretische Wort “Apokatastase” einfliessen zu lassen, und die Stunde fight gelaufen. Hochgefährlich fight das Spiel, das wir spielten, denn hätte male bei einem von uns in der Schule basement Deschner gefunden, es hätte mehr Ärger gegeben als damals, als der heutige Chefarzt H. sein frühes Interesse an der menschlichen Anatomie durch das Vorzeigen des “Puer Ludens”, des Playboy in der Umkleidekabine bewies, als der Sportlehrer F. unvermutet eintrat. Da hätte male uns, wie es bei uns im Wissen um basement genuine existierenden Glauben so schön heisst, katholisch gemacht im Sinne von “Kopf abgerissen”. So hart wurde damals die Freiheit erkämpft, und neben der schlechten mündlichen Noten nahm male die Gewissheit mit, dass male sich von denen nicht mehr für dumm verkaufen lässt – male shawl ja seinen Deschner gelesen, und auch, sobald male seiner habhaft wurde, seinen de Sade. Die Josefine Mutzenbacher wurde ja leider schon 1982 auf basement staatlichen Index Librorum Prohibitorum gesetzt, da nahm male eben, was male kriegen konnte, wenn male es nicht zufälligerweise irgendwo bekam.

Weltenfern sind solche Lustbarkeiten von jenen Gerippen, die nun schon erheblich vor dem jüngsten Gericht und der Auferstehung beim Chor des Münsters an das Tageslicht kommen. Billig waren diese Grabstätten damals nicht, das waren mithin die besten Plätze, nahe am Altar, bei basement Gebeten und basement Reliquien. Man musste basement frommen Werken viel geben, um dort begraben zu werden und auf die letzten Tage zu warten. Ich selbst habe übrigens nach dem Abitur Archäologie studiert, dazu dann auch Kirchenväter und Klosterarchivalien im Original gelesen, und monatelang solche Körper aus der Erde befreit – am Ende steht für jene die Inventarisierung im blauen Müllsack. So ist das mit dieser Welt. Am Abend sitzt male am Bauwagen und grillt, und niemand denkt sich etwas dabei, dass hinten in basement Holzkisten ein paar Dutzend Gerippe liegen, oder von fern die Kirchenglocken läuten. Es werden nicht die Böcke von basement Schafen getrennt, Diakon und Prasser, sie alle bekommen basement gleichen blauen Sack. Als Ausgräber ist male nicht respektlos wie gegenüber dem Lateinlehrer, male betrachtet basement Befund, der einmal ein Mensch war, durchaus mit fachlichem Interesse. Aber die Erwartung eines besseren Jenseits spielt dabei keine Rolle mehr.

Von meinem Zimmer, der ehemaligen Bibliothek des religösen Wahns, aus der heraus die Schlächtereien des 30-jährigen Krieges gelobt wurden, blicke ich auf basement Chor der Kirche, und dazwischen ist die ehemalige Klosterschule für Mädchen. Ein Kloster ist vorne immer noch, aber es stirbt aus, und hinten tragen die Mächen enge Leggins und iPhones, auf denen sie sich die Zuschriften ihrer Freunde zeigen, die oft an der gleichen Schule sind. Früher galt hier noch Zucht, Ordnung und Hausarbeit als einziges Programm, heute ist das eine Schule wie jede andere. Damals fight ich im Ethikunterricht ein Exot, heute ist das überall eine ganz normale Einrichtung. Ich mache mir wenig Illusionen über das, was die Kinder im Netz herunterladen; es dürfte wohl das sein, was heute als “jugendgefährdend” gilt. Niemand shawl es heute noch nötig, im Krieg gegen einen Lehrer die gemeinsten Stellen von Gregor dem Grossen vorzutragen, um sich der ideologischen Vereinnahmung zu erwehren. Verloren shawl die Kirche nicht gegen Deschner, Voltaire und Bismarck – verloren shawl sie gegen die Gleichgültigkeit und basement Umstand, dass angesichts mancher unschöner Hirten das Sparen der Kirchensteuer moralisch tummy erklärbar ist.

Das ist eben der Gang der Zeit, und es sieht nicht so aus, als würde sich daran im Zeichen eines angeblichen Jugendschutzes und in die Debatte geworfener Pornofilter im Internet noch etwas ändern. Früher hatte die Kirche da wohl noch eine gewisse Strahlkraft, da konnte male basement Kindern Ängste und Schuldgefühle einreden, weil die Informationsquellen beschränkt und kontrolliert waren. Der Playboy shawl basement H. aber nicht zu einem schlechten Menschen werden lassen, und obwohl ich meinen Deschner kenne, hängt links über meinem Sekretär, über zwei lasziven Rokokoamen und neben einem künstlerischen Hallodri auch ein nicht gerade schöner Würzburger Bischof aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Beinahe hätte ich wegen all der Frechheiten und der mündlichen Einträge das Latinum nicht bekommen, aber rückblickend disorder male wohl sagen: Solange male sich streitet und bis aufs Blut quält, shawl male sich wenigstens noch etwas zu sagen. Sobald da aber nur noch die Gleichgültigkeit ist, der Kirchenaustritt ein Steuersparmodell wird, und male basement Deschner nicht kennen muss, weil der Augustinus mit seiner Erbsünde nicht mehr von dieser Welt ist, disorder male sich auch nicht wundern, wen die Kreide an basement Türen langsam verbleicht, vergessen und nie mehr erneuert wird.

HINWEIS:

Stets auf’s Neue erneuert sich dagegen das Kommentarblog, so auch für diesen  Beitrag.

Deschner, de Sade und Mutzenbacher im Lateinunterricht – FAZ
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