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Die dummen Vergleiche auf Reisen gehören verboten! – DIE WELT Reise

Die dummen Vergleiche auf Reisen gehören verboten! - DIE WELT

 

Die dummen Vergleiche auf Reisen gehören verboten!

Der Mensch sucht im Fremden immer zuerst das Bekannte, durch den Vergleich erschließt er sich die Welt. Doch die dämlichen Kommentare Mitreisender können einem manchmal ziemlich auf die Nerven gehen.

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Der Mensch sucht im Fremden immer zuerst das Bekannte, durch den Vergleich erschließt er sich die Welt. Doch die dämlichen Kommentare Mitreisender können einem manchmal ziemlich auf die Nerven gehen. Von Annette Prosinger

“Das sieht aus wie …” – Sätze, die so anfangen, gehören verboten. Jedenfalls auf Reisen. Gewiss, der Mensch lernt über Vergleiche. Er sucht im Fremden immer zuerst nach Bekanntem, so erschließt er sich die Welt. Durch den Vergleich. Der Kölner Dom ist der Kölner Dom, weil er nicht so aussieht wie der in Speyer. Die Nordsee hat höhere Wellen als die Ostsee.

In Afrika sehen die Elefanten zwar im Prinzip so aus wie die in Indien, doch die Ohren, die sind anders. Total anders, findet Frau Schmitz, die Sitznachbarin im Safari-Bus, und legt los: “In Indien ist es ja überhaupt ganz anders als hier in Afrika, das Essen zum Beispiel …” Und mitten in der Serengeti, während sich gerade eine prächtige Elefantengruppe vor unsere Kameras schiebt, ergießt sich ein ausführlicher Bericht der schmitzschen Indienreise von vor fünf Jahren über die Gruppe.

Als sie gerade bei der Beschreibung des Badezimmers ihres Hotels in Bombay angekommen ist, wird Frau Schmitz von einem Schrei des Fahrers abgewürgt: “Lions!” Eine Löwenfamilie, Mutter mit zwei Kleinen, liegt unter einem Busch. Was den sonst so stillen Herrn Müller aktiviert: “Die erinnert an die Löwin bei uns im Zoo, nur dass bei der …”

Reisegesellschaften, die etwas auf sich halten, müssten das in ihre Satzung schreiben: “Vergleiche der touristischen Attraktionen mit anderen touristischen Attraktionen an ganz anderen Orten der Welt sind mit Rücksicht auf unsere Gäste unerwünscht.”

An den Fenstern der Reisebusse müssten kleine Schilder angebracht werden, wie früher in den Zügen. Statt “Nicht hinauslehnen, don’t lean out, è pericoloso sporgersi” müsste da draufstehen: “Gefährden Sie die Laune Ihrer Mitreisenden nicht durch langweilige Vergleiche.” Es ist ja nicht nur pericoloso für die Stimmung. Manchmal ist es schlicht unmenschlich.

Oder wie soll man es nennen, wenn man das erste Mal im Leben an einem karibischen Strand steht, mit Palmensaum, weißem Sand und einem Meer, dessen kristallines Grün, Blau, Türkis einem direkt in die Seele greift – was ist es da anderes als unmenschlich, wenn in dem Moment ein Mitreisender aus den Fluten auftaucht und brüllt: “Herrlich, das Wasser, fast so warm wie letzten Sommer am Bodensee!”
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Eine Typologie des deutschen Weltreisenden

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