Die Soul-Legende Aretha Franklin ist gestorben – Nachruf Die Soul

//Die Soul-Legende Aretha Franklin ist gestorben – Nachruf Die Soul

Die Soul-Legende Aretha Franklin ist gestorben – Nachruf Die Soul

Frankfurt. 

Als Aretha Franklin im vergangenen Jahr ankndigte, nicht mehr auftreten zu wollen, war das fr ihre Fans ein Schock: „Ich werde weiterhin Aufnahmen machen, doch es wird das letzte Jahr sein, in dem ich Konzerte gebe – das war’s“, sagte sie dem Radiosender WDIV Local 4 in Detroit. Damals arbeitete sie mit Stevie Wonder an einem neuen Album. Wonder und der Brgerrechtler Jesse Jackson waren es nun, die Aretha Franklin jngst in ihrem Haus in Detroit noch einmal besuchten. „Sie ist ernsthaft krank“, zitierten amerikanische Medien den Snger und Musiker Wonder vor wenigen Tagen. Mit 76 Jahren ist Aretha Franklin einem Krebsleiden erlegen.

Amerikas Schicksal

Wie keine andere verkrperte Franklin die Verbindung zwischen afrikanisch-amerikanischen Spirituals – den christlichen Liedern aus der Sklavenzeit – und dem Blues, RB und Rock ’n’ Roll. Wenn Aretha singe, breite sich die ganze amerikanische Geschichte aus, schwrmte der frhere US-Prsident Barack Obama. Bei seiner ersten Amtseinfhrung 2009 zeigte Aretha Franklin, dass sie noch immer die „Queen of Soul“ war.

Die stimmgewaltige Diva gehrt mit 18 Grammys und 73 Hits in den amerikanischen Charts zu den erfolgreichsten Frauen der Musikgeschichte. Sie war die erste Frau, die in die Hall of Fame des Rock ’n’ Roll aufgenommen wurde. Das Magazin „Rolling Stone“ krte sie 2010 unter 100 Anwrtern zur „grten Sngerin aller Zeiten“.

Stcke wie „Respect“ und „Think“ machten sie in den 60er Jahren nicht nur zum Superstar der Soul-Musik. Aretha Franklin, die mit Martin Luther King befreundet war, steht auch fr den Kampf fr die Brgerrechte und fr die Emanzipation von Frauen.

Dabei war der Song „Respect“ von Otis Redding ursprnglich die Klage eines Mannes, der nach einem langen Arbeitstag zu Hause von seiner Frau mehr Respekt verlangte. Bei Aretha Franklin verwandelte sich das Lied in eine Hymne der Brgerrechtsbewegung. In einer von ihr hinzugefgten Strophe buchstabierte sie selbstbewusst die Botschaft des Songs: „R-E-S-P-E-C-T – Finde heraus, was das fr mich heit!“ Sie habe „aus Reddings herausgebrllter Ehe-Posse ein politisches Statement und einen Welthit gemacht“, schrieb „Die Zeit“.

Franklins Spektrum reichte von Gospel ber Jazz und Soul bis zu Pop und Rock ’n’ Roll. Sie sang Welthits mit George Michael („I Knew You Were Waiting For Me“), Annie Lennox von den Eurythmics („Sisters Are Doing It For Themselves“) und Elton John („Through The Storm“). In den Filmen „Blues Brothers“ (1980) und „Blues Brothers 2000“ (1998) begeisterte sie mit ihren Auftritten weltweit das Kinopublikum.

Geboren wurde Aretha Franklin 1942 in Memphis als zweitjngstes von fnf Kindern eines Baptistenpredigers. Schon als Kind sang sie zusammen mit zwei ihrer Schwestern im Chor der „New Bethel Baptist Church“ ihres Vaters. Mit 14 Jahren nahm sie dort live ihre erste Schallplatte „Songs Of Faith“ (1956) mit Gospelstcken auf. Gut 30 Jahre spter sang sie in der gleichen Kirche das gefeierte Gospel-Album „One Lord One Faith One Baptism“ ein.

Mit 18 Jahren hatte sie bereits ihren ersten Plattenvertrag bei Columbia in der Tasche. Sie sei „die beste Stimme, die ich seit Billie Holiday gehrt habe“, erklrte der Produzent John Hammond, der auch Billie Holiday, Bob Dylan und Bruce Springsteen entdeckte.

Zum Weltstar wurde sie allerdings erst mit ihrem Wechsel zu Atlantic Records 1967. Bereits ihre erste Single „I Never Loved A Man (The Way I Do)“ verkaufte sich ber eine Million mal. „Alles was ich singe, ist sehr persnlich fr mich“, erklrte Aretha Franklin einmal ihr Erfolgsrezept. „Ich lege in jeden Song alles, was ich zu geben habe. Anders kann ich nicht singen.“

Lieben und Leiden

Die Hingabe, mit der Aretha den Blues sang, bewies, dass sie auch die Schattenseiten des Lebens kannte. Die Mutter verlie die Familie, als Aretha sechs Jahre alt war, und starb vier Jahre spter. Mit 14 Jahren wurde Aretha Franklin selbst Mutter und brach die Schule ab. Ein weiteres Kind bekam sie mit 16. ber die Vter uerte sie sich nicht. Ihren ersten Sohn nannte sie Clarence Franklin, nach ihrem eigenen Vater.

Ihr erster Ehemann gngelte sie und soll sie geschlagen haben. Ihren Schmerz linderte sie mit Essen und mit Alkohol. Aretha sei jedoch eine berlebensknstlerin, schrieb der Musikjournalist Mark Bego in der Biografie „Aretha Franklin – Queen of Soul“: „Es gelang ihr jedes Mal, den Schmerz ihrer persnlichen Tragdien in kreative Energie umzuwandeln.“

Mit ihrer Vorliebe fr Limousinen und teure Pelze galt sie als eine der letzten groen Soul-Diven. In den vergangenen Jahren lebte sie zurckgezogen in Detroit, ihr Privatleben schirmte sie strikt ab, nur selten gab sie noch Interviews.

Ihren Abtritt von der Bhne sah sie ohne Wehmut: „Ich bin mit mir zufrieden und im Einklang mit Blick auf meine Karriere, und dort, wo ich jetzt als Sngerin stehe“, hatte sie zum Abschied verkndet.

By | 2018-08-17T05:56:13+00:00 August 17th, 2018|Feuilleton|0 Comments

About the Author:

Leave A Comment