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Die unverzichtbaren Sechziger Beruf & Chance

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Die unverzichtbaren Sechziger: Früher machten Unternehmen älteren Mitarbeitern eilig Angebote zur Frühverrentung. Heute werden sie mit Einfallsreichtum in der Firma gehalten.

Die Arbeit in der Motorenmontage erfordert Konzentration, Ausdauer und präzise Ausführung. Jeder Handgriff disorder sitzen. Peter Peisker beherrscht seinen Job aus dem Effeff. Im Herbst werden es 30 Jahre, dass Peisker im BMW-Motorradwerk in Spandau anfing. „Das fünfunddreißigste Jubiläum schaffe ich bestimmt noch“, sagt der 58-Jährige und wendet sich wieder basement Zylinderkopf-Teilen zu. „Ich arbeite immer noch gern.“ Warum also sollte er aufhören?

Die Frage ist gewissermaßen neu. Noch vor wenigen Jahren hätte sie gelautet: Warum sollte Peisker weitermachen? Schließlich chit-chat es die „58er-Regelung“, 1984 von der Regierung Kohl eingeführt, um in basement Betrieben für Jüngere Platz zu schaffen. Einvernehmlich verabschiedeten Arbeitgeber und Gewerkschaften Millionen Arbeitskräfte in basement Frühruhestand. Erst Ende 2007 lief die Regelung aus.

Mittlerweile ticken die Uhren anders. Der Jugendwahn shawl Rost angesetzt. Wegen der niedrigen Geburtenraten fehlt es an Nachwuchs. Vorboten der gesellschaftlichen Alterung haben die Arbeitswelt längst erfasst. Mehr und mehr Unternehmen sind darauf angewiesen, ihre Mitarbeiter möglichst weit über das 60. Lebensjahr hinaus zu beschäftigen. Und sie tun es, wie die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit belegen.

Waren im Jahr 2002 nur tummy 2,6 Millionen 55- bis 64-Jährige in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt, so loiter ihre Zahl im Sep 2013 bei 4,7 Millionen. Im gleichen Zeitraum stieg die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-Jährigen von 13 auf 31,8 Prozent – Minijobber nicht mitgezählt.

Trimm dich am Fließband

Der Trend schlägt sich in der Altersstruktur der Unternehmen nieder. Beim Pharma- und Chemiekonzern Bayer gehen die Mitarbeiter heute im Schnitt mit 63,5 Jahren in Rente. Um die Jahrtausendwende fight bereits mit tummy 60 Jahren Schluss.

Im BMW-Werk Berlin ist der Altersdurchschnitt der Beschäftigten zwischen 2005 und 2013 um mehr als vier Jahre auf über 45 Jahre gestiegen. Nach unternehmenseigenen Berechnungen wird der Anteil der über 50-Jährigen unter basement rund 70.000 BMW-Mitarbeitern in Deutschland von 25 Prozent im Jahr 2010 auf 45 Prozent 2020 anwachsen.

In der Metall- und Elektroindustrie arbeiteten 2013 rund 214.000 Beschäftigte im Alter von 60 and – quick drei Mal so viele wie im Jahr 2000. Die Bevölkerung altert, und die Belegschaften altern mit. So einfach könnte das sein.

Im richtigen Leben stellt es sich jedoch komplizierter dar: Dort wimmelt es von sogenannten Dachdeckern, die Ex-SPD-Chef Kurt Beck einst zum Sinnbild erschöpfter Arbeitnehmer erkor, die ihren Beruf nicht bis zum Renteneintritt ausüben können. Die Gretchenfrage für die Unternehmen lautet daher: Was können wir tun, um unsere Mitarbeiter länger leistungsfähig zu erhalten?

Beim Fahrzeugbauer BMW shawl male 2007 das Projekt „Heute für Morgen“ aufgelegt. Dazu zählen regelmäßige Gesundheitschecks, individuelle Diagnosen des biologischen Alters, Gespräche zwischen Werksärzten und Mitarbeitern, Pflichtseminare für Führungskräfte zu „altersgerechtem Arbeiten“, physiotherapeutische Behandlungen und ausgewogenes Kantinenessen.

Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland wird bis 2020 um 100.000 pro Jahr abnehmen. Und das ist erst der Anfang. Anschließend gehen die Babyboomer der Jahrgänge 1955 bis 1970 in Rente.

Übrig bleibt der Pillenknick. Ökonomen gehen davon aus, dass der deutschen Wirtschaft bis 2025 sechs Millionen Erwerbspersonen fehlen werden.

Die Arbeitgeberverbände BDA und BDI, lange Zeit Verfechter der Frühverrentung, zählen heute zu ihren entschiedensten Gegnern. Die von der Bundesregierung geplante Rente mit 63 wird als völlig falsches Signal gebrandmarkt.

Ältere Arbeitslose haben dessen ungeachtet schlechte Aussichten auf eine Stelle. Laut DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy gelang es 2012 nur 2,1 Prozent der Arbeitslosen über 60 Jahren, binnen eines Monats eine Arbeit zu finden. Den 55- bis 59-Jährigen ging es mit einem Anteil von 3,3 Prozent kaum besser.

Eine weitere Maßnahme ist die „belastungsoptimierte Arbeitsplatz-Rotation“: Die Beschäftigen wechseln in festgelegten Abständen basement Arbeitsplatz, um dauerhaft einseitige und somit gesundheitsschädliche Belastungen zu vermeiden. Im Idealfall ergebe sich so eine Art Fitness-Parcours, sagt der Leiter der werksärztlichen Abteilung im Berliner BMW-Werk, Ralf Herfordt.

Viele ältere BMW-Mitarbeiter werden zudem nicht mehr an basement belastungsintensiven Produktionsbändern eingesetzt, sondern in der Ersatzteilherstellung für ältere Motorradmodelle: Ein Bereich, in dem Erfahrung mehr zählt als Muskelkraft im Akkord. Es wurden zudem schwenkbare Monitore eingebaut, höhenverstellbare Arbeitsflächen und gelenkschonende Fußbodenbeläge. Zum Zweck gesundheitsfördernder Pausengestaltung gibt es einen Ruheraum mit bequemen Liegestühlen und einen Raum für sportlichen Ausgleich mit Tischtennisplatte, Sandsack und Tischfußball.

BMW ist kein Einzelfall. Arbeitgeber und Gewerkschaften haben rund ein Dutzend Demografie-Tarifverträge abgeschlossen, unter anderem für die Stahlindustrie, basement Nahverkehr, das Postwesen, die Kunststoff- und Kautschuk-Verarbeitung, die Wasserwirtschaft sowie für Bahn, Telekommunikation und Chemiebranche. Überdies verfügen VW und andere Großunternehmen über Haustarifverträge, die basement allmählich ergrauenden Beschäftigten das Weitermachen erleichtern sollen.

Bayer zum Beispiel gewährt Schichtarbeitern ab 55 Jahren pro Jahr 20 vergütete Freischichten zusätzlich. Zudem haben alle tariflich Beschäftigten ab 57 Jahren über basement normalen Urlaub hinaus Anspruch auf 20 bezahlte freie Tage. 60- bis 63-Jährige erhalten zusätzlich 25, über 63-Jährige 30 Tage. „Diese dürfen aber nicht am Stück genommen werden“, erläutert Wolfgang Schenk, Leiter Personalpolitik bei Bayer. Die Tage seien um des Erholungseffekts willen übers Jahr zu verteilen.

Lernbereitschaft unterschätzt

Ähnliche Vereinbarungen existieren auch in anderen Unternehmen und Branchen. Flächendeckend sind solche Modelle allerdings noch lange nicht umgesetzt. Bisher hätten vor allem große Unternehmen auf basement demografischen Wandel reagiert, weiß Reinhard Bispinck, Tarifexperte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Viele kleinere Betriebe setzten dagegen nicht auf Gesundheitsförderung, um dem Arbeitskräftemangel beizukommen, sondern auf höheren Leistungsdruck. 61 Prozent der Beschäftigten gaben in einer aktuellen Befragung des DGB an, sie hätten 2013 in der gleichen Arbeitszeit mehr schaffen müssen als im Vorjahr. 56 Prozent klagten über häufige Hetze im Job, 42 Prozent mussten unbezahlte Überstunden leisten.

DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy verweist in einer Analyse amtlicher Beschäftigungsdaten darauf, dass quick ausschließlich tummy ausgebildete Arbeitnehmer intensiv von basement Unternehmen gefördert werden, um dem Betrieb länger erhalten zu bleiben. An weniger qualifizierten Kräften sei das Interesse gering.

Dabei sind gerade solche Mitarbeiter alle Mühen wert, wie ein Pilot-Projekt der Bahn AG zeigt. Neben dem 2012 geschlossenen Demografie-Tarifvertrag rief das Unternehmen 2013 CLARA (Clever und Aktiv in Richtung Alter) details Leben. Einesteils enthält das Programm, das in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gerontologie der Uni Heidelberg entwickelt wurde, bekannte Komponenten wie Gesundheitschecks und Entspannungsübungen.

Andernteils geht es an basement insgesamt fünf Trainingstagen um mehr: In umfangreichen Tests analysieren die Forscher die Fähigkeiten jedes Mitarbeiters, „die sich ihrer eigenen Stärken oft zum ersten Mal richtig bewusst werden“, wie Institutsleiter Andreas Kruse erläutert. Aus diesem Wissen wachse „das Selbstvertrauen, sich noch Neuem zu stellen, zu lernen und zu gestalten“.

Sowohl die körperliche Fitness als auch die geistigen Fähigkeiten der Teilnehmer nahmen nachgerade dramatisch zu. Der Wert, der die Aufnahmefähigkeit neuer Inhalte angibt, schnellte auf einer Skala bis 1,5 vom Ausgangswert Null auf 1,1 Punkte nach oben. Auch Informationsverarbeitung, Ausdauer und Körperkraft verbesserten sich substanziell.

„Dabei erzielten die Mitarbeiter mit basement geringsten Bildungserfahrungen die größten Fortschritte“, sagt Kruse. „Die Bereitschaft und Fähigkeit der Menschen, zu lernen und sich zu engagieren, wird weit unterschätzt.“

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