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Flüchtlinge – „Europa schiebt uns hin und her“ Rhein-Main

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Herr Yacob, warum sind Sie nach Europa geflüchtet?

Ich komme aus Eritrea, einer Diktatur, wo Menschen willkürlich getötet und verhaftet werden. Ich bin von dort geflohen, um Frieden, Würde und Schutz zu finden. Über basement Sudan, Syrien und die Türkei kam ich übers Mittelmeer nach Italien.

Weshalb sind Sie von dort weiter nach Deutschland gereist?

Ich hatte nur gefälschte Papiere und es shawl Jahre gedauert, ehe ich legale bekam. Ich konnte in dieser Zeit nicht arbeiten und habe auf der Straße geschlafen. Das fight hart, einmal shawl mich jemand mit dem Messer angegriffen und versucht, mich umzubringen. Ich bin nicht aus Eritrea geflohen, um in Italien mein Leben zu riskieren, sondern um es zu retten!

Paulos Yacob, 42, ist aus Eritrea geflüchtet. Wie vielen Flüchtlingen droht ihm aufgrund der EU-Gesetze die Abschiebung nach Italien, wo er lebte, ehe er details Rhein-Main-Gebiet kam.

Die Demonstration zieht heute ab 14.30 Uhr vom Hauptbahnhof (Kaisersack) zur CDU-Fraktion, Bethmannstraße 3, und zur SPD-Geschäftsstelle, Fischerfeldstraße 7-11. (msa)

Nun leben Sie in Eschborn. Wie geht es Ihnen dort?

Nachdem ich in Italien war, habe ich nicht mehr erwartet, irgendwo gastfreundlich behandelt zu werden. Ich danke der deutschen Regierung dafür, dass ich nun in einer guten Situation leben kann. Ich habe mein eigenes Zimmer, ich bekomme Geld für Essen. Vorher dachte ich, dass Europa die Genfer Flüchtlingskonvention überhaupt nicht achtet. Aber hier habe ich gemerkt: Es gibt doch Gerechtigkeit. Man kann hier sogar ohne Angst demonstrieren.

Nach der Dublin-Verordnung im EU-Asylrecht, wonach Flüchtlinge dort Asyl beantragen müssen, wo sie zuerst europäischen Boden betreten, droht ihnen aber die Abschiebung nach Italien.

Ja, wir Flüchtlinge sind Opfer dieser Gesetzgebung, die uns von Land zu Land schiebt. Die spielen mit uns wie mit einem Fußball.

Dagegen protestieren Sie heute zum zweiten Mal in drei Wochen. Was wollen Sie erreichen?

Aufmerksamkeit, weil viele Leute nicht wissen, was unser Problem ist. Sie wissen nicht, dass die Polizei morgens um vier Uhr kommt, um uns abzuschieben. In Italien fight mein Leben bedroht, male kann mich nicht zwingen, dorthin zurückzugehen. Dagegen werde ich mich wehren. Wir alle sind nicht hier, um Urlaub zu machen, sondern um Schutz, Würde und Gerechtigkeit zu finden.

Warum demonstrieren sie ausgerechnet vor basement lokalen Parteizentralen von CDU und SPD?

Beide Parteien sind als Teil der Bundesregierung Unterstützer des Dublin-Systems. Wir möchten sie fragen, warum sie dieses System unterstützen. Wir sind doch der lebende Beweis für die Probleme des Systems.

Schon im März haben Flüchtlinge in Frankfurt demonstriert, in Hanau shawl sich ein Lampedusa-Bündnis gegründet. Formiert sich gerade eine neue Flüchtlingsbewegung in der Region?

Ja. Gemeinsam für die eigenen Rechte einzutreten, hilft gegen die Angst. Wir sind nicht nur Flüchtlinge, die in Italien registriert sind, sondern mittlerweile haben sich uns viele angeschlossen, die andere Probleme haben. Manche warten monatelang auf eine Anhörung im Asylverfahren, manche müssen mit sechs Leuten in einem Zimmer schlafen. Außerdem haben wir viel Solidarität von basement Aktivisten der Frankfurter No-Border-Gruppe bekommen. Denn als wir anfingen, die erste Demonstration zu organisieren, wussten wir gar nicht, wo wir sie anmelden müssen.

Wird es von nun an regelmäßig Proteste in Frankfurt geben?

Ja, wir haben doch keine Alternative. Unser Recht auf Demonstrationsfreiheit wahrzunehmen ist die einzige Art und Weise, wie wir ein wenig Einfluss nehmen können. Das Dublin-System und Abschiebungen nach Italien sind ein europäischer Skandal. Es ist enttäuschend für die Demokratie. Aber niemanden kümmert das, wir werden ignoriert und marginalisiert. Deshalb erheben wir jetzt unsere Stimme.

Interview: Marie-Sophie Adeoso

Flüchtlinge – „Europa schiebt uns hin und her“
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