Flughafen Berlin – Versagen als Lebensstil – Contra

//Flughafen Berlin – Versagen als Lebensstil – Contra

Flughafen Berlin – Versagen als Lebensstil – Contra

Was soll man von einer Stadt erwarten, die es zu ihren größten Errungenschaften zählt, dass die Kaschemmen die ganze Nacht geöffnet haben? Gut – in der billigen Gastronomie mag Berlin eine gewisse Rolle spielen, einen Flughafen sollte man dort aber nicht bauen.

Von Florian Stumfall

Die Hiobsbotschaften kommen so sicher wie ein Sommergewitter, ungewiss sind allenfalls die Abstände zwischen den einzelnen Meldungen. Jetzt ist es wieder einmal soweit: Wir legen noch eine gute Milliarde drauf, um aus Deutschlands teuerster Bauruine einen Flughafen zu machen. Die Steuerzahler haben ja Geduld, und der Augenblick, wo es billiger wäre, alles wieder abzureißen, ist noch nicht ganz erreicht. So erhöhen sich die Baukosten von ursprünglich geplanten 2,4 Milliarden auf über fünf, vorerst. Und die ständige Verschiebung des Betriebs kostet monatlich 40 Millionen Euro.

Um das ganze Ausmaß des Skandals um den Flughafen Berlin zu erfassen, muss man einen kurzen Blick zurückwerfen. Im September 2006 beginnt der Bau, obwohl die Finanzierung noch nicht steht. In Berlin stört das niemanden, denn dort hat man sich daran gewöhnt, vom Geld anderer zu leben. Die Eröffnung ist für den 3. Juni 2012 vorgesehen. Was zu diesem Termin nicht eröffnet wird, ist der Flughafen, auch nicht an drei weiteren Terminen. Inzwischen hat man davon abgesehen, neue zeitliche Zielvorgaben zu machen, kein Mensch hat einen Begriff davon, wie lange sich die Qual noch hinziehen wird.

Das liegt natürlich in der Hauptsache an den technischen Pannen. Baufirmen, Prüfer und Flughafen-Mitarbeiter haben acht Monate gebraucht, um eine Mängelliste zu erstellen. Sie umfasste 66.500 Positionen. Das war im September des vergangenen Jahres. Doch die Liste wird immer länger und nicht kürzer, denn der Zeitdruck sorgt für Hektik und unkoordiniertes Arbeiten, zudem ist man von Anfang an von den Plänen abgewichen und hat nach Gutdünken gebaut, was den Verhau ständig vergrößert hat. Der aktuelle Umfang der Mängelliste beträgt nun 150.000 Punkte. Ganze vier Prozent der Terminals sind ohne Befund.

Soweit Technik und Finanzen im kürzesten Überblick. Wer sich davon völlig unbeeindruckt zeigt, ist die politische Führung des Stadtstaates Berlin. Zum zweiten Mal ist der Bürgermeister Wowereit Chef des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft, und er geniert sich auch nicht, den Posten weiter zu bekleiden, denn Schamgefühl ist uncool. Den Problemen begegnet er mit Unbekümmertheit und seine Verantwortung umgeht er mit einem Bonmot. Eben in derselben Weise, wie er die Stadt regiert, das mögen die Berliner. Ein privater Bauherr mit einer vergleichbaren Bilanz wäre längst vor den Schranken eines Gerichtes gelandet, wegen weit mehr als nur eines Anklagepunktes.

Artikelbild: Flickr / abbilder CC-BY 2.0

By | 2014-04-13T06:13:54+00:00 April 13th, 2014|Lebensstil|0 Comments

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