Frusthansa – Nur die Berliner gehen in die Luft

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Frusthansa – Nur die Berliner gehen in die Luft


Berlin –  

„Cancelled“ – gestrichen. Allein am Flughafen Tegel leuchtete dieses Wort am Mittwoch 130 Mal auf den Anzeigen. Und das war nur der erste von drei Tagen Pilotenstreik bei Lufthansa und Germanwings. In Berlin sind rund 50.000 Passagiere betroffen.

Als sich Franz Ludwig (69) in die Warteschlange einreiht, hat er eine große Portion Zuversicht im Gepäck: „Mein Lufthansa-Flug nach Stuttgart ist gestrichen. Jetzt will ich auf Air Berlin umbuchen“, erklärt der Rentner. „Hauptsache nicht Bahnfahren“, ergänzt seine Frau Rosita (66).

Nach der Abfertigung am Schalter ist das Lachen aus dem Gesicht von Franz Ludwig verschwunden, die Mine erstarrt. In der Hand hält er einen Gutschein: Für eine Bahnfahrt. „Nach Stuttgart, 6 Stunden Fahrzeit, statt 50 Minuten Flugzeit“.

Wie das Ehepaar Ludwig landen viele andere Passagiere von Tegel aus nicht am Zielflughafen, sondern im Zug. Oder auf den Wartebänken für andere Flieger. Für die Ludwigs ist dieser Wunschtraum geplatzt.
Dabei haben sich die beiden Rentner extra einen Tag vor geplantem Abflug am Schalter eingefunden, um sich ihr Alternativ-Angebot persönlich abzuholen, denn Ticket-Umbuchungen gehen nur direkt am Airport. „Wir hatten es telefonisch versucht, aber das war nicht möglich.“

Dass für die vom Streik betroffenen Passagiere aber überhaupt die Möglichkeit besteht, auf andere Airlines umgebucht zu werden, ist ein freiwilliges Angebot der Lufthansa. Eigentlich gilt: Wird ein Flug annulliert, haben die Betroffenen das Recht auf eine zeitnahe Ersatzbeförderung mit der gleichen Airline oder bekommen das Geld zurück, erklärt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Aber: Die Freude über dieses Angebot hält sich in Grenzen. Stattdessen herrscht Frust in den Schlangen vor den Lufthansa-Schaltern. Der KURIER hat die Leidtragenden des Streiks zwischen Umbuchungen, Bahn-Alternativen und Reise-Strapazen getroffen.

Miese Organisation

Britta Fleck (42) hat Schweißperlen auf der Stirn: „Ich muss nach Bologna zu einer Beauty-Messe.“ Ihre Angst: „Wir sind eine große Crew, die Bahn-Tickets langsam knapp. Das ist eine ganz miese Organisation“, sagt die Berliner Geschäftsfrau genervt.

Foto: SABINE GUDATH


By | 2014-04-03T02:36:15+00:00 April 3rd, 2014|Wirtschaft|0 Comments

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