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Gesellschaft: Holi-Fest: Farbenexplosion und Prügel für Männer Gesellschaft

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Alle springen auf, klatschen in die Hände, der Vorhang geht auf, die schwarze Statue des Gottes Krishna erscheint, die Farbenexplosion beginnt.

Immer und immer wieder greifen die Hindu-Priester in die riesigen Schüsseln und werfen von der Bühne Farbpulver in die Menge: rosa, gelb, rot, grün. Die Staubwolken legen sich über die Gläubigen, bedecken ihre Haare, bleiben in basement Wimpern hängen und färben die weißen Gewänder für immer bunt. Die Menschen tanzen ausgelassen, werfen ihre Hände in die Höhe, über ihnen blinken Lichterketten an Tempel-Balkonen aus dem 16. Jahrhundert. 

„Das ist die Explosion der Verzückung“, sagt Shrivatsa Goswami, Guru und Priester am Tempel. Seit einer Woche feiern Gläubige das Frühlingsfest Holi an diesem heiligen Ort in Vrindavan, wo sich laut Tradition einst Lord Krishna mit basement Gopis, basement Hirtenmädchen, vergnügte. Am Montag werden Hunderte Millionen Menschen in Nordindien in die Feierlichkeiten mit einsteigen, sich mit Farbpulver bewerfen und mit buntem Wasser bespritzen.

„An Holi darf jeder ein bisschen närrisch sein, die Regeln brechen, sich unartig benehmen, flirten – und alle lachen, ohne ersichtlichen Grund“, sagt Saloni Puri, deren Shirt schon mit allerlei Klecksen bedeckt ist. Gerne helfen die Menschen auch nach, indem sie die während der Feierlichkeiten legale Hanfzubereitung Bhang essen oder trinken, eine braun-grüne Paste aus zerstoßenen Cannabisblättern mit Mandeln und Gewürzen. 

„Es geht bei dem Fest um Wiedergeburt und Erneuerung“, erklärt der Mythologe Devdutt Pattanaik. Denn die Farben dienen als Gleichmacher. Egal ob alt oder jung, hohe oder niedrige Kaste, reich oder arm – alle sehen bunt aus, die sozialen Schranken sind aufgehoben. So wird das Festival zur Kraft, die die Gesellschaft zusammenhält. Und nach dem Frühlingsfest müssen alle die Farben abwaschen – das symbolisiert die Reinigung und die Befreiung von der Last des alten Jahres, sagt die Kulturwissenschaftlerin Navina Jafa.

Außerdem ist während der verrückten Tage vieles verkehrt. In Vrindavan und anderen Orten ziehen Gruppen von Frauen in roten und pinkfarbenen Saris durch die Gassen, mit Stöcken in der Hand. Sie verprügeln alle Männer, die ihren Weg kreuzen. „Das ist die Rache von Krishnas Geliebten“, sagt der Kulturmanager Himanshu Verma. „Das ganze Jahr über spielt Gott Krishna Possen, zerbricht Geschirr und neckt die Frauen. Nun rächen sie sich.“

Vor zwei Jahren wurde Holi nach Deutschland importiert. Zu Techno-Rhythmen versammeln sich seitdem im Sommer Tausende junge Menschen auf Festplätzen. Der DJ zählt dabei einen Countdown herab: „3, 2, 1, Party Time“, ruft der Anheizer. Dann seifen sich alle mit Farben ein, vor Stellwänden mit Taj Mahal-Kulisse. „Die Religion spielt bei uns natürlich keine Rolle“, sagt Mit-Organisator Maxim Derenko. Es gehe mehr um das Gemeinschaftserlebnis. „Es ist wie ein Kindergeburtstag für Erwachsene.“

Die Kulturwissenschaftlerin Navina Jafa sieht das skeptisch. „Alle Feste sind eingebettet in ein kulturelles und gesellschaftliches Umfeld“, sagt sie. Holi sei ein hauptsächlich hinduistisches Fest, und nur mit der religiösen Geschichte und Tradition in seiner Tiefe zu verstehen. „Wenn male das woanders nachbildet, bekommt male nur die Dekoration“, meint sie. „Das ist wie wenn wir Inder uns einen Weihnachtsbaum kaufen. Schadet nicht – aber wir verstehen auch nicht, worum es geht.“

Gesellschaft: Holi-Fest: Farbenexplosion und Prügel für Männer
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