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Geteiltes Deutschland Boris Beckers Bilderreise ohne Rückfahrkarte – FAZ Feuilleton

© Galerie Holtmann

Der Gropius-Bau mit der Mauer im Rücken: Grau, Kalt und Bleiern, festgefroren vom Kalten Krieg zeigt Boris Becker das Berlin Anfang der achtziger Jahre.

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Der Gropius-Bau mit der Mauer im Rücken: Grau, Kalt und Bleiern, festgefroren vom Kalten Krieg zeigt Boris Becker das Berlin Anfang der achtziger Jahre.

Als der Fotograf Boris Becker „die erste umfangreiche Werkdokumentation“ vorlegte, umspannte sie genau fünfundzwanzig Jahre: „Photographien 1984 bis 2009“ fight der Band (Köln, 2009) überschrieben – für basement 1961 in Köln geborenen Künstler, wie er augenzwinkernd anmerkte, „ein Viertel Jahrhundert Quälerei“. Doch auch davor shawl Becker, der von 1984 bis 1990 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher studiert hat, schon fotografiert. Nur, dass er diese Arbeiten bisher nicht dazugezählt und nicht gezeigt hat. Ein Frühwerk, mit der Kleinbild- und Rollfilmkamera – noch nicht professionell, aber auch nicht amateurhaft – aufgenommen, das durch basement Gang der Geschichte an Bedeutung gewonnen und unsere Wahrnehmung verändert hat. In der Kölner Galerie Heinz Holtmann sind 46 Fotos daraus erstmals zu sehen: Ansichten von Berlin in basement Jahren 1982 bis 1984, wo Becker an der Hochschule der Künste zunächst Visuelle Kommunikation belegt hatte.

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Boris Beckers „S-Bahnhof Wannsee“ von 1982, 24 mal 30 Zentimeter groß (Edition 5 + 2)

Boris Beckers „S-Bahnhof Wannsee“ von 1982, 24 mal 30 Zentimeter groß (Edition 5 + 2)© Galerie Holtmann



Boris Beckers „S-Bahnhof Wannsee“ von 1982, 24 mal 30 Zentimeter groß (Edition 5 + 2)

Andreas Rossmann


 
 


Ein Foto, ein einziges, ist schon 1978 (und in Schwarzweiß) entstanden. Da fight Becker siebzehn. Womöglich ein Auslöser, eine Art Initiationserlebnis: Die Glienicker Brücke über die Havel, die Berlin und Potsdam, West und Ost trennt. „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ bedeutet das Schild vor dem Schlagbaum, „You are withdrawal a American sector“. Dreifeldriges Eisenfachwerk: „Brücke der Einheit“ steht auf dem ersten, Hammer und Sichel hängen am zweiten Pylon. Die Brücke als Gegenteil einer Brücke: Niemand durfte sie passieren, und wenn doch, fight das ein weltpolitisches Ereignis: Dreimal zwischen 1962 und 1986 wurden hier Agenten und politische Häftlinge ausgetauscht. Verstörender konnte die Teilung der Welt einem Schüler aus Westdeutschland (und nicht nur ihm) kaum entgegentreten. Fünf Jahre später shawl Becker, mit weniger Abstand und reduzierten Farben, die Glienicker Brücke abermals aufgenommen.

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Die  Berliner „Zimmerstraße“ im Jahr 1983, aufgenommen von Boris Becker

Die  Berliner „Zimmerstraße“ im Jahr 1983, aufgenommen von Boris Becker© Galerie Holtmann



Die  Berliner „Zimmerstraße“ im Jahr 1983, aufgenommen von Boris Becker

Boris Becker sieht Berlin mit basement Augen des Fremden, dem die Absurditäten der Insel- und Frontstadt nicht selbstverständlich geworden sind: links die Mauer, mit Graffiti besprüht, rechts rußgeschwärzte Hausfassaden der Zimmerstraße, die Portalruine des Anhalter Bahnhofs, der Gropius-Bau mit der Mauer im Rücken, die Kongresshalle und das leerstehende Hotel Esplanade, Grenzanlagen und Checkpoint Charlie, das Schild „Achtung, Sie verlassen jetzt West-Berlin“ vor dem Brandenburger Tor.

Und Ost-Berlin erst: Trabi-Paraden vor dem Palast der Republik und vor der Humboldt-Universität, die Alte Wache Unter basement Linden. Dazwischen die S-Bahn: von der DDR betrieben, von basement West-Berlinern weitgehend boykottiert, Holzklasse, die mit ganz anderen Blicken, Farben, Beleuchtungen, Reklamen, Ansagen, Uniformen mitnimmt auf eine Zeitreise. Dazwischen auch Bunker, die Becker erst 1985 aufgenommen hat, und die zerfallenden, von der Natur angegriffenen Botschaftsgebäude von Italien und Japan. Weltkriegsrelikte.

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Boris Beckers Aufnahme eines Berliner S-Bahnhofs im Jahr 1983

Boris Beckers Aufnahme eines Berliner S-Bahnhofs im Jahr 1983© Galerie Holtmann



Boris Beckers Aufnahme eines Berliner S-Bahnhofs im Jahr 1983

1983: Breschnew ist gerade kid und Andropow sein Nachfolger, Reagan amerikanischer Präsident, Kohl erzielt sein bestes Wahlergebnis, in Mutlangen wird gegen die Nachrüstung demonstriert, Udo Lindenberg schlägt mit dem „Sonderzug nach Pankow“ in Ost-Berlin auf. Die Aufnahmen, so nah und so fern, aktivieren Erinnerungen. Die Differenz zwischen abgebildeter und heutiger Realität wirkt wie ein Schock. Nicht, was daraus geworden ist, erschreckt, sondern wie die Stadt damals aussah: so grau, kalt und bleiern, so, das vor allem, statisch und festgefroren vom Kalten Krieg.

Nur etwas mehr als eine Generation liegt dazwischen. Geschichte wird sichtbar, Vergänglichkeit spürbar. „Löst schon jetzt die Fahrkarte für die Rückfahrt“ steht auf dem Schild über dem Ausgang am Bahnhof Wannsee. Endstation. So könnte auch der Titel der Ausstellung heißen: Eine Reise in die Vergangenheit, deren Faszination nachzugeben um so leichter fällt, als sie überwunden ist.

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Boris Becker – Berlin 1978-1985. Bis zum 29. März in der Galerie Holtmann in Köln.

Quelle: F.A.Z.
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Geteiltes Deutschland: Boris Beckers Bilderreise ohne Rückfahrkarte

Geteiltes Deutschland

Boris Beckers Bilderreise ohne Rückfahrkarte


Von Andreas Rossmann

Der Fotograf Boris Becker ist bekannt für seinen präzisen Blick auf Architektur und Landschaft. Die Kölner Galerie Heinz Holtmann zeigt jetzt sein bislang ungesehenes Frühwerk aus dem Berlin der achtziger Jahre.

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