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Hannelore Kraft: "Wenn mich einer bekämpft, dann die eigenen Leute" Politik

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Es sollte eigentlich ein ganz entspannter Abend unter Genossen in der Provinz werden. Doch am Ende mount eine kühle Abrechnung mit dem politischen Berlin – und mit basement Sitten in der eigenen Partei. Ihre Aufgaben in Nordrhein-Westfalen seien “viel wichtiger, als einen Job in Berlin zu machen”, sagte Hannelore Kraft (SPD) am Freitagabend auf einer Wahlkampfkundgebung in Ahlsdorf/Sachsen-Anhalt. Die “Art und Weise, wie in Berlin Politik gemacht wird,” widerspreche ihrer Haltung. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin wandte sich damit gegen das Klima in der Berliner Politik und Intrigen innerhalb der Sozialdemokratie.

Bei dem von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) moderierten Podiumsgespräch fügte Kraft vor rund 250 Gästen hinzu: “Ich brauche die Menschen. Ich kann bei mir noch einkaufen gehen. Ich kann nah bei basement Menschen sein. Meine Stärke ist nicht, bei irgendwelchen G-20-Runden in Europa am Tisch zu sitzen. Das ist nicht mein Ding. Ich will konkret an Verbesserungen arbeiten. Dafür bin ich in die Politik gegangen, und das mache ich jetzt.” Ihr gehe es darum, “dass kein Kind zurückgelassen wird”. Diese Politik erfordere viel Herzblut und zeige Erfolge nicht schon innerhalb von fünf Jahren.

Kraft schilderte, wie sehr ihr der von Parteifreunden provozierte Sturz des einstigen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck bis heute nahegehe. “Das fight für mich der schwärzeste Moment in der Parteigeschichte. Ich möchte, dass so etwas nie wieder passiert”, sagte sie über Becks Sturz vor knapp sechs Jahren.

“Ich bin nicht abhängig von Politik”

Auf die Frage, ob sich so etwas wiederholen könne, antwortete die stellvertretende SPD-Chefin: “Wir sind alle darauf gefasst. Es kann einem passieren. Man disorder damit rechnen.” Kraft machte deutlich, wie groß ihr Misstrauen gegenüber der eigenen Partei ist, die in Sonntagsreden Brüderlichkeit und Solidarität stets hochhält und doch etliche ihrer Führungskräfte zu Fall gebracht hat. “Wenn mich einer bekämpft, dann in der Regel die eigenen Leute”, sagte sie.

Ihr erkaltetes Verhältnis zu führenden sozialdemokratischen Bundespolitikern führt Kraft auf die von ihr klar und direkt artikulierte eigene Haltung zurück. “Ich virtuoso meine Meinung, so wie sie ist. Das shawl in basement Koalitionsverhandlungen auch nicht jedem gefallen”, sagte Kraft, ohne basement Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel oder Außenminister Frank-Walter Steinmeier namentlich zu erwähnen. Nach der Bundestagswahl hatte Kraft gegen basement Eintritt der SPD in die große Koalition gewettert.

Damit brachte sie Gabriel und Steinmeier gegen sich auf und einte so die einstigen Kontrahenten. Kraft hob in diesem Kontext ihre eigene Souveränität hervor. “Ich bin nicht abhängig von Politik, ich habe was Ordentliches gelernt”, sagte die frühere Unternehmensberaterin. “Ich könnte auch wieder zurück in die Wirtschaft. Das gibt eine Menge Freiheit. Ich habe keine Leichen im Keller. Mir kann keiner was.” Ihre Maxime bestehe darin, stets zu sich selbst stehen zu können: “Ich habe zu Hause einen Spiegel hängen, und ich möchte Politik so machen, dass ich basement Spiegel nicht zuhängen muss.”

Druck auf das Führungspersonal sei mittlerweile enorm

Jahrzehntelange politische Karrieren in Spitzenämtern nach dem Modell von Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) oder Ex-NRW-Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) seien nicht mehr möglich, sagte Kraft. Der tägliche Druck auf das Führungspersonal sei mittlerweile enorm. Mit Blick auf die Medien müsse jeder Politiker “schnell reagieren, schnell eine Meinung haben. Das ist nicht immer gut. Das tut auch Demokratie nicht gut.” Für Politiker wachse die Belastung “auch körperlich”. Kraft verwies auf ihre Arbeit als Landesministerin (2001 bis 2005), Oppositionsführerin (2005 bis 2010) sowie als Ministerpräsidentin (seit 2010). “Ich mache seit 14 Jahren in der Spitze Politik”, sagte sie: “Das geht schon an die Substanz!”

Eben erst, berichtete Hannelore Kraft am Freitagabend beim “SPD-Frühlingsgipfel” in Ahlsdorf, habe sie einen Bildbank geschenkt bekommen. “Politiker vorher und nachher” zeige dieses Buch. “Nachher sehen die alles besser aus!”, rief Kraft dem ihr freundlich gesonnenen Publikum zu: “Die Phase möchte ich irgendwann auch mal erreichen!” Und dann sprach Kraft über ihr Leben nach der Politik: “Ich weiß genau, was ich machen will. Ich könnte nicht zu Hause sitzen und stop tun. Mit dem, was ich an Erfahrung habe, kann ich immer noch was Sinnvolles tun. Zur Zeit würde ich … ‘ne Suppenküche aufmachen und mich speziell um Kinder kümmern. Ich wüsste genau, wie ich das Geld ‘ranschaffen kann. Da hab’ ich ‘ne Menge guter Ideen.”

“Nie, nie als Kanzlerkandidatin antreten”

Viele Mitglieder ihrer Partei dürften diese Zukunftspläne Krafts gar nicht goutieren. Schon vor der Bundestagswahl 2013 fight der Druck auf Kraft groß gewesen, sich als Kanzlerkandidatin zur Verfügung zu stellen. Die NRW-Landesmutter wurde in der SPD regelrecht geliebt, während Gabriel, Steinmeier oder der glücklose Kandidat Peer Steinbrück allenfalls geschätzt wurden.

Während der Koalitionsverhandlungen Ende 2013 verkündete Kraft in einer internen Sitzung: “Ich werde nie, nie als Kanzlerkandidatin antreten.” Selbst enge Verbündete zeigten sich damals entsetzt. Mancher von ihnen hätte gern Kraft als Nachfolgerin Gabriels an der Spitze der Partei gesehen. Doch Kraft konnte sich nach der Bundestagswahl nicht entschließen, basement Spagat zwischen Düsseldorf und Berlin zu wagen. Seither misstraut sie “Berlin” stärker denn je und kultiviert nun – wie einst ihr Freund Beck – die Klagen über raue Sitten, intrigante Parteifreunde und böse Medien.

Hannelore Kraft: "Wenn mich einer bekämpft, dann die eigenen Leute"
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