"Kein guter Stil": Bundesliga wütend über Guardiolas Radikal-Rotation

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"Kein guter Stil": Bundesliga wütend über Guardiolas Radikal-Rotation

Als Schiedsrichter Manuel Gräfe abpfiff, stand das Stadion kopf, Trainer Markus Weinzierl ballte beide Fäuste, dann nahm er die Glückwunsche von Pep Guardiola entgegen. Weinzierls Team hatte gerade dem FC Bayern München die erste Niederlage der Saison zugefügt.

Dass die Bayern in der Bundesliga überhaupt noch mal verlieren könnten, das hatten in den vergangenen Monaten nicht mal mehr die leidenschaftlichsten Pessimisten angenommen. 53 Spiele lang hatte der Weltmarktführer des Fußballs keine drei Punkte mehr hergegeben. Der FCA beendete mit dem 1:0-Sieg eine historische Serie und stoppte die unglaubliche Rekordjagd des Deutschen Meisters.

“Wir haben toll gefightet und als Team die Stärken von Bayern München gut aus dem Spiel genommen. Nach dem Tor konnten wir noch kompakter stehen und auf das Umschalten lauern. Wir hatten aber auch Glück und einen guten Torhüter”, sagte Weinzierl nach dem Spiel. Tatsächlich verzeichneten die Bayern am Ende fast 70 Prozent Ballbesitz und 19 zu 11 Torschüsse. Doch so deutlich die Sprache der Zahlen auch war, die Kräfteverhältnisse auf dem Platz gaben sie nicht wieder. Zu verkrampft wirkte der Meister, zu wenig durchdacht war das Spiel der Münchner.

Die Niederlage war eine Sensation, aber folgerichtig. Und es war eine Niederlage, an der Guardiola kräftig mitgearbeitet hatte. Der Spanier, der sonst so viel richtig macht an der Seitenlinie, verspekulierte sich mit seiner Aufstellung nach Kräften. Er ließ nicht etwa die B-Elf spielen. Er schickte gleich die C-Elf auf den Platz.

Eine fast schon provokante Aufstellung

Philipp Lahm, Franck Ribéry und Arjen Robben standen gar nicht erst im Kader. Stattdessen begannen der 19-jährige Mitchell Weiser, der 19-jährige Pierre-Emile Höjbjerg und der österreichische Nachwuchsspieler Ylli Sallahi, der am Sonntag 20 Jahre alt wurde. Eine gewagte, fast schon provokante Aufstellung. “Manchester ist wichtiger”, beschied Guardiola vor dem Spiel lapidar.

Tatsächlich führte seine Radikal-Rotation auf sieben Positionen dazu, dass die Bayern in der ersten Halbzeit nicht einmal gefährlich vor das Augsburger Tor kamen. Weder Bastian Schweinsteiger noch Toni Kroos oder Javi Martinez gelang ein entscheidender Pass. Die Stürmer hingen in der Luft. Mario Mandzukic hatte kaum wahrnehmbare zwölf Ballkontakte in den ersten 45 Minuten, Torwart Manuel Neuer dagegen 28. Als dem unglücklich agierenden Weiser in der 31. Minute dann ein Abspielfehler unterlief, lagen die Bayern plötzlich zurück. Sascha Mölders hatte das 1:0 erzielt.

Es war die schlechteste Halbzeit seit Guardiolas Amtsantritt. Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer war denn auch nur bedingt begeistert von den Vorsichtsmaßnahmen seines Trainers: “Wir müssen die Belastung klug steuern, aber uns nicht mit Samthandschuhen anpacken”, sagte er in Hinblick auf die Aufgaben in der Champions League.

Guardiola brachte zwar zur Pause Mario Götze für Xherdan Shaqiri und wenig später auch David Alaba für Debütant Sallahi, doch mehr als ein Pfostenschuss des Linksverteidigers in der 69. Minute sprang nicht mehr heraus. Die Augsburger hielten clever dagegen, sorgten durch schnelle Konter immer wieder für Entlastung und zogen ihr extrem körperbetontes Spiel durch.

Die Bayern-Spieler wirkten hingegen wie Figuren aus der Puppenkiste, die man an den falschen Fäden durch die Augsburger Arena zog. “Wir haben es bis zum Ende probiert, haben gekämpft. Im Fußball kannst du nicht immer gewinnen, das müssen wir akzeptieren”, sagte Guardiola nach der Partie.

Starke muss operiert werden

Keeper Neuer wollte die Niederlage nicht zu hoch hängen: “Für uns war das Wichtigste heute, dass sich niemand verletzt hat – das ist das A und O. Es geht um das Spiel gegen Manchester. Alles andere ist egal.” Das klappte allerdings auch nur bedingt. Shaqiri zog sich eine Oberschenkelblessur zu. Zudem wurde vor dem Spiel bekannt, dass die Saison für Tom Starke wohl gelaufen ist. Der Ersatztorhüter erlitt einen Bänderriss im Ellbogen und muss operiert werden.

Deutliche Kritik an der Bayern-Taktik übte Armin Veh. Es sei zwar nachzuvollziehen, dass man sich für die Champions League schont, “aber für die Liga ist das nicht okay”, sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt.

Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel, neben Veh auf der Pressekonferenz, verkniff sich einen Seitenhieb auf die Bayern. “Das ist nicht mein Bier. Wenn ich ein paar Jahre mehr auf dem Buckel habe wie der Armin, äußere ich mich gern dazu”, sagte Tuchel und fügte süffisant hinzu: “Ich bin noch ein junger Trainer. Ich kann nicht zur Lage der Liga Pressekonferenzen geben.”

Schalkes Manager Horst Heldt lästerte hingegen: “Die schicken ja auch immer ein paar schlaue Sprüche aus München, die alle anderen aufzunehmen haben. Das ist kein guter Stil, wenn man so agiert, dass es für andere Probleme geben könnte. Aber vielleicht haben sie ja am Samstag so viele Verletzte gehabt.”

“Das war sicherlich eine Ausnahme”

Heldt befürchtet eine Wettbewerbsverzerrung an den abschließenden fünf Bundesliga-Spieltagen zugunsten der jeweiligen Gegner der bereits als Titelträger feststehenden Bayern. Am nächsten Samstag treten die Münchner gegen Borussia Dortmund an.

Der BVB kämpft unter anderem mit dem Revierrivalen aus Gelsenkirchen um die Champions-League-Plätze. “Ich glaube, dass das sicherlich eine Ausnahme gewesen ist heute”, betonte Heldt jedoch mit Blick auf die Bayern im “Deutschlandfunk”.

Den Augsburgern wird es ohnehin egal sein. Sie krönten mit dem historischen Sieg eine ohnehin schon sensationelle Saison. “Der Trainer ist stolz auf uns. Vielleicht gibt er morgen ja sogar einen freien Tag. Dann wird heute Abend gefeiert”, sagte Daniel Baier.

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By | 2014-04-06T01:13:43+00:00 April 6th, 2014|Sport|0 Comments

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