Latein und Ethik haben Peter Borel für Politik begeistert

//Latein und Ethik haben Peter Borel für Politik begeistert

Latein und Ethik haben Peter Borel für Politik begeistert

Von Evi Eck-Gedler

Lindau / sz Mitte der 90er Jahre hat er beschlossen, Politik nicht nur zu kritisieren, sondern aktiv zu gestalten. Damals ist seine Partei, die ÖDP, noch weitgehend unbekannt gewesen. 18 Jahre später sieht das anders aus: Wenn der Lindauer Peter Borel Ende April den Kreistag verlässt, dann hat die ÖDP dort erstmals Fraktionsstatus. Als größten Erfolg seiner Zeit in der Kreispolitik betrachtet Borel dabei das Klimaschutzkonzept, das der Kreistag heute verabschiedet.

Der ehemalige Gymnasiallehrer schmunzelt, wenn er nach seinem Weg in die Politik gefragt wird: „Ich habe Sport, Latein und Ethik unterrichtet.“ Nun gilt das nicht unbedingt als Sprungbrett in die Politik. Doch lateinische Texte brachten Borel zur Politik, die Ethik – er musste seinerzeit mangels Lehrbüchern Themen selbst erarbeiten – vertiefte das.

Zwei Ereignisse stärkten den Lindauer in seinem Entschluss, selbst Politik zu machen: Dazu gehörte das Drama von Tschernobyl im April 1986, das ihm zeigte, „es muss sich dringend etwas ändern“. Drei Jahre später hörte Borel 1989 in Basel den deutschen Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker, der dort zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung aufgerufen hatte.

Borel stößt zur ÖDP. „Deren Ziele entsprachen genau meinem Denken.“ Für sie zieht er 1996, zusammen mit Uwe Kähler, erstmals in den Kreistag ein. „Da stehst du erst einmal wie vor einer Wand“, erinnert er sich heute schmunzelnd an seine erste Kreistagssitzung.

In die Themen des Landkreises habe er sich aber schnell eingearbeitet. Wobei Borel den Spielraum des Kreistags als nicht sehr groß betrachtet: „Das sind ganz viele Pflichtaufgaben.“

Ein paar wenige Bereiche gebe es, wo der Kreis eingreifen könne. Dazu zählt Borel den Straßenbau: „Das sind Investitionen, die kann man ausgeben – aber das muss nicht jetzt sein.“

Aktiv werden könne der Kreis auch im Bereich Umwelt und Energie. Da beginnen Borels Augen zu leuchten. Er ist sehr froh, dass er auch ohne Fraktionsstatus in den vergangenen sechs Jahren im Energiebeirat des Landkreises mitarbeiten durfte. Denn dort habe sich Wesentliches entwickelt: das Klimaschutzkonzept des Landkreises.

„Das ist eine ganz große Leistung“, freut sich Borel über dieses Konzept. Darin habe der Kreis viele Ideen aufgegriffen, um die Energiewende im Landkreis voranzubringen. Auch Borel hat so manchen Gedanken dort eingebracht.

Im Rückblick ist er mit seinen 18 Jahren im Kreistag ganz zufrieden. „Die Atmosphäre dort ist gut“ – sehe man von der Diskussionskultur ab, die in der Aera Leifert/Riedmüller geherrscht habe: „Das glich oft eher einem Kasperltheater als sachlicher Politik.“

Seine kleine Partei habe sich aber in all den Jahren Gehör verschafft. „Wir haben Kompetenz gezeigt, wo es möglich gewesen ist.“ Diese nach Borels Worten „gute Arbeit“ habe – neben der geänderten Auszählmethode – dazu beigetragen, dass die ÖDP ab Mai nun drei statt zwei Kreisräte habe und damit endlich Fraktionsstärke erreicht.

Peter Borel ist klar, dass dies den neuen Kollegen mehr Zeit für die politische Arbeit abverlangt. Er selbst habe sich ganz bewusst dafür entschieden, auf der Kreisliste „weiter hinten“ anzutreten: „Ich wollte nach 18 Jahren anderen eine Chance geben, im Kreistag zu arbeiten.“

Zum Ausgleich im Einsatz für den Alten Friedhof

Was aber nicht heißt, dass sich der Lindauer mit seinen 72 Jahren aufs politische Altenteil zurückzieht: Peter Borel diskutiert ab Mai im Lindauer Stadtrat mit. „Die Stadtthemen regen mich mehr auf.“ Es sind Themen wie Parken auf der Insel, die Unterführung Langenweg, die er für überflüssig erachtet, oder aktuell der beschlossene Verkauf des Hoyerbergschlössles – „da rege ich mich jeden Tag auf“. Und deshalb will Borel in den nächsten sechs Jahren in den städtischen Gremien aktiv mitmischen.

Wird das Ganze zu aufregend, dann kann er sich in eine Aeschacher Oase zurückziehen: den Alten Friedhof, dessen Förderverein Borel seit Jahren koordiniert. „Das ist meine große Leidenschaft“, bekennt der ehemalige Lehrer. Und ein Stück weit schließt sich da der Kreis, von der Geschichte der alten Gräber, in denen die früheren Prominenten dieser Stadt ruhen, zu Latein und Ethik, die Peter Borel mit der Politik infiziert haben.

(Erschienen: 09.04.2014 16:45)

By | 2014-04-09T17:10:57+00:00 April 9th, 2014|Politik|0 Comments

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