Lebensmittelhandel Tegut sagt Rewe den Kampf an – FAZ

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Lebensmittelhandel Tegut sagt Rewe den Kampf an – FAZ

Tegut - Der Supermarkt in Mühlheim sieht von außen futuristisch aus

© Wohlfahrt, Rainer

Von wegen bieder: Tegut-Markt in Mühlheim am Main

An Anerkennung für die Konkurrenz fehlt es Alexander Wilhelm nicht. „Die haben den Markt so im Griff“, sagt der Expansionsleiter der Handelskette Tegut über die Arbeit von Rewe in Frankfurt, „dass wir neue Standorte gar nicht angeboten bekommen. Und wenn, dann stechen sie uns bei der Miete aus.“ Aber so soll es nicht bleiben. Tegut will angreifen – dort, wo Rewe so stark ist wie nirgendwo sonst. „Wenn der Wettbewerber einen guten Job macht, dann müssen wir es eben besser machen“, sagt Wilhelm.

Manfred  Köhler


 
 


Da hat er sich etwas vorgenommen. „In Frankfurt haben Sie die Wahl zwischen Rewe und Rewe“, fasst der Manager die Lage zusammen. Wer zog ins Untergeschoss ein, als vor fünf Jahren das Einkaufszentrum My Zeil eröffnete? Rewe. Wer verkauft Lebensmittel auf dem Riedberg? Rewe. Welche Handelskette ist im Skyline Plaza vertreten? Rewe. Auf mehr als 80 Prozent schätzt der Tegut-Manager den Marktanteil der Konkurrenz mit der knallroten Hausfarbe. Tegut hingegen muss man in Frankfurt einstweilen mit der Lupe suchen. Ein Supermarkt an der Friedberger Warte. Und fünf kleinere Läden wie der in der City West. Man muss Tegut schon sehr mögen, um sich dorthin auf den Weg zu machen.

Vier-Punkte-Plan

Doch die Handelskette mit Sitz in Fulda ist generell in Aufbruchstimmung. Ende 2012 hat der Schweizer Handelsriese Migros das Unternehmen übernommen. Ein Vier-Punkte-Plan wurde aufgestellt. Erstens: Die vorhandenen 280 Lebensmittelmärkte sollen nach und nach modernisiert werden. Bis 2016 ist ein Drittel der Filialen an der Reihe. Zweitens: Man will weg von dem Image, bei Tegut sei es teuer. „Wir werden nur als Premium-Anbieter wahrgenommen“, sagt Wilhelm, der der Tegut-Geschäftsleitung angehört. Dabei gebe es doch genauso wie bei Rewe und Edeka ein Einstiegssegment, Standardprodukte wie Salz oder Zucker zum gleichen Preis wie bei den Discountern. „Es ist uns in den vergangenen Jahren nicht gelungen, das den Kunden zu vermitteln“, sagt der Manager. „Wir müssen unser Profil schärfen.“

Drittens: Die Arbeitsprozesse in den Filialen sollen optimiert werden. Klingt kompliziert, bedeutet aber etwas ganz Einfaches: Es soll mehr Personal dort sein, wo die Kunden sind, um Fragen zu beantworten zum Beispiel. Viertens: Ein ganz neues Ladenkonzept soll entwickelt werden. Mit anderen Fußböden, anderen Decken und anderer Beleuchtung. Die Hausfarbe soll orange bleiben. Es ist auch nicht etwa daran gedacht, die Marke Tegut durch Migros zu ersetzen. Aber es soll doch alles etwas zeitgemäßer aussehen. Als Pilotmarkt gilt derjenige an der Wiesbadener Richard-Wagner-Straße, der gerade umgebaut wird. Die Neueröffnung ist für den 3.April geplant. Tegut hat aber schon bewiesen, dass die Fuldaer auch anders können als bieder: Ein neuer Supermarkt in Mühlheim am Main sieht ungefähr so aus wie ein Flugzeughangar.

Die Rundum-Revitalisierung hat Tegut aber auch nötig. Die Handelskette hat 2012 und 2013 mit Verlust abgeschlossen, wie Wilhelm sagt, wobei er zugleich hervorhebt, 2013 sei nach der Übernahme durch Migros auch ein Jahr der Übergangs gewesen. In diesem Jahr soll Tegut wieder Geld verdienen. Bevor es ans Expandieren geht, wurde das Filialnetz gestrafft; von 320 Geschäften sind lediglich 280 übrig geblieben. Damit sank auch der Umsatz unter die Milliarden-Marke. 2013 betrug er noch 977 Millionen Euro.

Jetzt aber sieht man in Fulda die Zeit gekommen, um wieder auf Wachstum umzuschalten. Das eigene Kerngebiet bilden Hessen und Thüringen sowie der Norden Bayerns. In Rheinland-Pfalz ist Tegut lediglich mit zwei Märkten in Mainz vertreten, in Niedersachsen betreibt man nur vier Läden in Göttingen.

150 Kilometer rund um Fulda, das war bisher der Radius, in dem sich Tegut bewegte. Nun soll der Kreis größer werden. Noch in diesem Jahr will die Kette einen Markt in Stuttgart eröffnen. Das gibt die grobe Richtung der Expansion an: Von Rhein-Main über Rhein-Neckar nach Süden. Außerdem möchten die Osthessen im angestammten Geschäftsgebiet die Zahl der Geschäfte erhöhen. Deshalb auch der Angriff in Frankfurt.

Auf und zu

Allerdings ist Tegut nicht die einzige Handelskette, die in Rhein-Main weitere Supermärkte plant. Auch Edeka ist auf Expansionskurs, und auch von Rewe ist keineswegs zu hören, man sei satt, was diese Region betrifft. Allen gemeinsam ist die Sichtweise, es sei noch genügend Kaufkraft im Markt, so dass sich eine solche Expansion lohne. Wie tückisch die Branche ist, zeigt sich allerdings daran, dass auch das Tegut-Management schon danebengegriffen hat. Von den 20 Märkten im Rhein-Main-Gebiet, die man 2010 von Tengelmann übernommen hat, mussten sechs geschlossen werden.

Nun aber soll alles anders werden. An der Triebstraße im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim möchte Tegut einen kleinen Supermarkt eröffnen, zudem einen weiteren im neuen Wohn- und Geschäftshaus Turm-Carrée an der Großen Eschenheimer Straße in der Innenstadt. Dort wird Migros künftig eine Art Schweizer Insel unterhalten, denn ein Fitness-Studio der hauseigenen Kette Elements soll im selben Gebäude eröffnen. Weitere Standorte in Frankfurt seien in Planung, verspricht Wilhelm. Wenn man ihm länger zuhört, glaubt man, er sei ein wenig in einer höheren Mission unterwegs. Die Frankfurter müssten es doch allmählich leid sein, nur bei Rewe einzukaufen, meint er. „Mich wundert, dass die Bevölkerung das mitmacht.“ Wenn sie dereinst die Wahl zwischen ganz vielen Rewe- und ganz vielen Tegut-Läden hat, wird sich zeigen, wie groß der Überdruss ist.

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Quelle: F.A.Z.

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Tegut sagt Rewe den Kampf an


Von Manfred Köhler

Die Handelskette Tegut will in Frankfurt wachsen. Die Geschäftsleitung gibt sich angriffslustig: Man staune, dass die Bürger dieser Stadt die Dominanz von Rewe so einfach hinnähmen.

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By | 2014-03-16T07:55:26+00:00 March 16th, 2014|Rhein-Main|0 Comments

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