Luzerner „Tatort“: Eine Reise zwischen zu vielen Welten

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Luzerner „Tatort“: Eine Reise zwischen zu vielen Welten

Ding-Dong. Abwartende Stille hängt vor der Türschwelle in der Luft. Nach einer Weile sind Schritte zu hören. Stürmisch, leicht und freudig; die Tür öffnet sich – und die Kommissare blicken in zwei Kinderaugen, die aufgeregt nach der erwarteten Mama Ausschau halten. Mama kommt jedoch nicht, das wissen die Kommissare genau. Das ist die wahrscheinlich unangenehmste Seite des Polizeialltags.

Donna Müller, die Mutter der drei Kinder, die hinter der Tür auf sie gewartet haben, wurde ermordet. Besonders tragisch: Sie war alleinerziehend. Eine Psychologin bringt die Geschwister – jedes von einem anderen Vater – übergangsweise in ein Kinderspital, doch das Gezerre lässt nicht lange auf sich warten: Donnas engste Freundin möchte die jüngste Tochter der Verstorbenen am liebsten adoptieren, Daniele Rossi, Vater der ältesten Tochter und geborener Choleriker, kommt ins Krankenhaus gestürmt, um sein Kind augenblicklich mitzunehmen.

Mittendrin die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer), das Luzerner “Tatort”-Team. Alle drei Väter werden durchleuchtet, der Wütende genauso wie der Desinteressierte und der Geheimniskrämerische. Donnas Freundin scheint ebenfalls ein Motiv zu haben, und dann taucht auch noch Pablo Guggisberg auf – ein Medium, bei dem die Ermordete zuvor eine Ausbildung zur spirituellen Heilerin gemacht hatte. Er bietet an, Kontakt zu Donna aufzunehmen, um der Polizei zu helfen, und spaltet damit die Ermittler; der in dieser Folge arg unscheinbare Reto Flückinger scheint jedenfalls auch unkonventionellere Ermittlungswege in Betracht zu ziehen.

Gastschauspieler sorgen für starke Momente

Gut tun den Kommissaren die Alleingänge jedoch nicht. In stakkatohafter “Tatort”-Manier gelingt es vor lauter Hektik keinem von ihnen, Profil zu gewinnen. Da helfen weder Momentaufnahmen von Flückingers nächtlichen Schwimmausflügen noch Ritschards Squash-Date mit ihrer Lebensgefährtin. Und vor allem keine kurz gefassten Thekengespräche über Kindheitserlebnisse und Beziehungsunfähigkeit. “Zwischen zwei Welten” scheitert daran, den angerissenen Geschichten gerecht zu werden – und wirkt dadurch überladen und zeitweilig sehr ziellos.

Dass der Film dennoch sehr starke Momente hat, ist vor allem den Gastschauspielern vor der Kamera geschuldet. Neben dem höchst authentischen Spiel von Hans-Caspar Gattiker, der den cholerischen Rossi verkörpert, sind die eigentlichen Stars die Jüngsten am Set. Pablo Caprez verschmilzt als Donnas einziger Sohn Ravi perfekt mit der Rolle des verletzten Jungen, der nicht weiß, wo er mit seiner Wut und Aggression hinsoll. Und Annina Walt macht als Tochter Emma deutlich, was den egozentrischen Eltern immer gefehlt hat: Die Fähigkeit, den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken.

By | 2014-04-21T03:34:06+00:00 April 21st, 2014|Reise|0 Comments

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