Musical "Carmen la Cubana" kommt nach Frankfurt

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Musical "Carmen la Cubana" kommt nach Frankfurt

Der laszive Rhythmus der Habanera, in dem die Liebe bei Bizet mit „L’amour est un oiseau rebelle“ erklingt, hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen, dass Carmen ein Mythos wurde und die Oper in der Beliebtheitsskala weit vorne liegt. Unzhlige Male wurde Georges Bizets berhmtes Werk bereits bearbeitet. Mit „Carmen la Cubana“ gibt es nun eine weitere Bhnenadaption, die zugleich das erste kubanische Musical berhaupt ist. Der Regisseur Christopher Renshaw hat den Opern-Klassiker ins Kuba des Jahres 1958 verlegt, samt revolutionren Umbrchen und Fidel Castros Widerstandsbewegung gegen den Diktator Fulgencio Batista.

Carmen (Luna Manzanares Nardo) arbeitet bei ihm nicht in einer Zigarettenfabrik in Sevilla, sondern in einer Zigarrenfabrik bei Santiago de Cuba. Aus dem Torero Escamillo wird der Boxer El Nio und aus Sergeant Don Jos ein Soldat des kubanischen Diktators Batista. Statt auf Franzsisch wird auf Spanisch gesungen. Und die Musik spielt nicht ein klassisches Orchester, sondern eine 14-kpfige Latin-Big-Band. Zahlreiche Tanzeinlagen gibt es natrlich auch.

Unabhngiger Geist

Renshaw hat sich bei seiner Arbeit von dem 1953 uraufgefhrten Broadway-Musical „Carmen Jones“ inspirieren lassen, das durch den ein Jahr spter gedrehten Film von Otto Preminger mit Harry Belafonte weltbekannt wurde. Die Geschichte spielt unter schwarzen US-Amerikanern whrend des Zweiten Weltkriegs. „Fr mich ist Carmen eine frei denkende Frau, ein unabhngiger Geist. Unabhngige Geister haben mich schon immer angezogen“, sagt der Regisseur anlsslich der Deutschlandpremiere von „Carmen la Cubana“ in Kln. Darum wollte er die Oper an einen besonderen Ort der Weltgeschichte verlegen. Vom 28. August bis 2. September gastiert das Musical dann in der Alten Oper Frankfurt.

Regisseur Christopher Renshaw vor der Deutschlandpremiere.Bild-Zoom

Foto: Henning Kaiser (dpa)

Regisseur Christopher Renshaw vor der Deutschlandpremiere.

Wie Carmen mag der Regisseur keine allzu engen Grenzen, auch nicht zwischen Musical und Oper. „Ich denke, dass das Theater berhaupt ein groes Geschenk ist, und ich mchte, dass es fr jeden zugnglich ist. Ein Grund, ,Carmen la Cubana‘ zu machen, war, mit der Inszenierung unterschiedliche Musikstile, Stimmungen und Rhythmen ins Theater zu bringen.“ Ein Musical aus Kuba ist allerdings nicht selbstverstndlich – auch wenn die Mischung aus Tanz und Gesang eigentlich wunderbar zu dem Karibikstaat passen msste.

Der Librettist der Fassung, der kubanische Autor Norge Espinosa Mendoza, erzhlt: „Ich habe die Idee des Musicals in Kuba lange verteidigt. Aber leider haben wir weder Erfahrung mit dieser Kunstform, noch die Theater, wo Musicals aufgefhrt werden knnten.“

In dem sozialistischen Insel-Staat ist man gegenber dem Musiktheater im Allgemeinen wie auch dem Musical im Besonderen etwas skeptisch, hielten die Revolutionre das Musical doch fr eine bourgeoise Kunstform. „Und so fehlt auch die Vision, was Musical sein knnte und wie man das Potenzial nutzen knnte, das auf Kuba vorhanden ist“, sagt Espinosa Mendoza etwas bedauernd und fgt dann hinzu: „Daher war es wie ein Geschenk des Himmels, als Christopher Renshaw mir ,Carmen la Cubana‘ vorgeschlagen hat.“

Entstehen sollte eine kubanische Carmen – und keine Carmen, die blo nach Kuba klingt. Natrlich schaffen kubanische Rhythmen und Tnze eine typische Atmosphre, aber den Machern war klar, dass noch mehr dazugehren msste, wie eben die Charaktere oder auch die politischen Spannungen am Vorabend der Revolution.

berwiegend frhlich

„Und so whlt Carmen nicht nur zwischen zwei Mnnern, sie whlt auch eine bestimmte Haltung als Mensch in dieser politischen Situation. Sie whlt, Teil der Revolution zu werden“, erklrt der Autor seine Sicht auf die Hauptfigur.

Der Regisseur sieht es trotz allem weniger politisch: „Ich wollte keine politische Position beziehen oder die eine oder andere Seite kritisieren. Ich wollte die Schnheit und die Seele Kubas feiern und zeigen, was ich dort gesehen und erlebt habe: tolle Menschen, die voller Hoffnung und voller Lcheln sind.“

Hoffnung und Geduld nennt Norge Espinosa Mendoza brigens als die wichtigsten Eigenschaften der Kubaner. Kein Wunder also, dass auch die bekannten Melodien in diesem Musical berwiegend frhlich klingen: Die musikalische Dramatik der Vorlage geht in berwiegend heiteren und beschwingten Mambo-, Merengue-, Danzn- oder Salsa-Klngen auf. „Es war erstaunlich, wie perfekt die unterschiedlichen Stile aus Bizets ,Carmen‘ zu den kubanischen Rhythmen passen“, findet der Co-Arrangeur Edgar Vero. „Als ich die Oper gehrt habe, habe ich sofort gedacht, ah, das Lied ist Contradanse oder das Lied ist Timba.“ So findet fast jedes Lied der Oper einen anderen kubanischen Stil.

Die berhmte „Habanera“ wurde brigens ins Cha-Cha-Cha-Tempo bersetzt. Noch so eine Grenze, die aufgelst wurde – obwohl dieser Tanz afrokubanischen Ursprungs aus Kubas Hauptstadt Havanna stammt, wie der Name Habanera verrt.

Carmen la Cubana

Alte Oper Frankfurt, 28. August bis 2.September, verschiedene Anfangszeiten. Karten von 24,10 bis 94,20 Euro unter Telefon (069) 1 34 04 00.
Internet www.alteoper.de

By | 2018-08-06T07:01:14+00:00 August 6th, 2018|Feuilleton|0 Comments

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