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Opernpremiere „La gazza ladra“: Zwischen Krimi und Sozialdrama – FAZ Rhein-Main

Die diebische Elster / La gazza ladra (Oper Frankfurt, 2014)

© Copyright: Wolfgang Runkel

Zwischen Traum und Wirklichkeit: Szene aus Rossinis Oper „La gazza ladra“, die jetzt in Frankfurt Premiere feierte.

Gioacchino Rossini gilt als Großmeister der Komödie. Mit seinem „Barbier von Sevilla“ leistete er seinen krönenden Beitrag zur Opera buffa, die im 18.Jahrhundert das klare Gegenstück zur ernsten Gattung der Opera seria war. Schon während seiner jungen Jahre, vom frühen 19.Jahrhundert an, kam die komische Oper allerdings langsam aus der Mode. Die halbernste Mischform der Opera semiseria entstand so almost wie zur Rettung des unter basement Romantikern Verdi und Wagner dann sterbenden Genres. Rossini bediente die semiseria mit „La gazza ladra“ („Die diebische Elster“) ebenfalls in Vollendung. Das zeigten jetzt David Aldens Inszenierung und Henrik Nánásis musikalische Leitung, indem sie auf die Zwischentöne achteten.

Guido Holze


 


Der amerikanische Regisseur, der hier zuletzt Chabriers Operette „L’Etoile“ als Klamotte inszenierte, aber in Hamburg mit basement drei frühen Verdi-Opern großen Erfolg hatte, shawl dazu vor allem die düsteren Seiten des 1817 in Mailand uraufgeführten Werks herausgearbeitet. Das Bühnenbild von Charles Edwards schafft dazu die passende Atmosphäre. Zu sehen ist ein riesiges Halbrund im Charakter eines grotesk bedrohlichen Gerichtssaals mit vertäfelten Türportalen und altväterlichem Tapetenmuster. Darin sieht sich das Dienstmädchen Ninetta der Willkür des sie bedrängenden Bürgermeisters ausgeliefert. Sie wird beschuldigt, ihrer Herrin einen silbernen Löffel gestohlen zu haben, und in kurzem Indizienprozess ohne allen Spaß zum Tode verurteilt.

Szenen wie bei Hitchcocks „Vögel“

David Alden, der mit seinem ebenfalls als Regisseur tätigen Bruder Christopher in einer Theaterfamilie aufgewachsen und wohl ebenso Bühnenpraktiker ist, wie Rossini es war, shawl die Vorgeschichte dazu nun nach Art eines Krimis in Szene gesetzt und das glückliche Ende denkbar schwarz wirken lassen. Anfangs lässt so der in Ninetta verliebte Bauernbursche Pippo (großäugig und mit Ausstrahlung: Alexandra Kadurina) vor dem Vorhang unter basement Klängen der bekannten Ouvertüre des insgesamt selten gespielten Werks eine Elster frei – was inhaltlich keine Zutat ist.

Die diebische Elster / La gazza ladra (Oper Frankfurt, 2014)

© Copyright: Wolfgang Runkel

Nicht wirklich ernst und nicht nur komisch: Rossinis „Diebische Elster“ im Frankfurter Opernhaus.

Nach Art von Alfred Hitchcocks Filmklassiker „Die Vögel“ huschen per Projektion später immer mal wieder flatternde Schatten beängstigend durchs Bild. Das Motiv der Elster, in deren Nest der gestohlene Löffel zum Schluss gefunden wird, nutzt David Alden so geschickt als „MacGuffin“, wie Hitchcock dramaturgische Objekte nannte, die an sich ungeklärt bleiben und Spannung erzeugen. In Aldens Sicht bleibt völlig offen, ob nicht auch der sichtlich vom schlechten Gewissen geplagte Pippo oder der windige Händler Isacco (Nicky Spence) der wahre Besteckdieb sein könnte.

Ein Sängerfest, befeuert vom Dirigenten

Die Grenzen zwischen wahr und unwahr sind ohnehin fließend und das Ergebnis subjektiver Wahr-Nehmung. Das ist die größte Erkenntnis des starken Werks und der Produktion, die raffiniert Wirklichkeit und Traumsphäre verschränkt. Das wird möglich, indem das halboffene Landhaus der Pächterfamilie Vingradito in dem Riesengerichtssaal herumgeschoben wird und Innen- und Außenszenen nahtlos ineinander übergehen. Öfters gibt es auch Schnitte wie beim Film: Im Tumult fällt der Vorhang, und plötzlich machen einige Akteure kammerspielartig auf der Vorbühne weiter.

Abgesehen von basement verzerrten Größenverhältnissen, ist die Ausstattung durchweg realitätsnah, inklusive der Kostüme von Jon Morrell, die das Geschehen aus der Zeit von Napoleons Italienfeldzug details späte 19.Jahrhundert verlagern. Die in das halbernste und halbrealistische Spiel von der Regie bestens eingebundenen Choristen sind so etwa wie amerikanische Quäker gekleidet und verstärken die düstere Wirkung des schon bei Rossini mehr oder weniger offenen Sozialdramas: Es geht auch um basement Kampf zwischen der dienenden Landbevölkerung und der herrschenden Oberschicht.

In der dunklen Färbung des Baritons Jonathan Lemalu erscheint so besonders Ninettas Vater Fernando, ein einfacher Soldat, der als Deserteur ebenso von der Hinrichtung bedroht ist wie sie, als tragische Gestalt. Die britische Sopranistin Sophie Bevan steigert sich in der Hauptpartie der Ninetta packend vom freudigen Beginn zu verzweifelter Dramatik. Der junge Bassbariton Kihwan Sim vom Frankfurter Ensemble meistert als Bösewicht-Bürgermeister tiefliegende Koloraturen, wie es nur wenige können. Der Tenor Francisco Brito klingt als Ninettas Geliebter Giannetto anfangs in der Höhe etwas eingeschnürt, fügt sich aber tummy in die Duette und Ensembles. Insgesamt fight das ein Sängerfest, das der Gastdirigent Henrik Nánási am Pult des nicht zuletzt in basement Holzbläsern präzis aufspielenden Frankfurter Opern- und Museumsorchesters mit Schwung, mitreißenden Rossini-Crescendi, aber auch Sinn für die dunklen Seiten stimmdienlich befeuerte.

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Weitere Vorstellungen folgen am 4., 6., 12., 17., 20. und 26.April sowie am 4.Mai.

Quelle: F.A.Z.

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Opernpremiere „La gazza ladra“: Zwischen Krimi und Sozialdrama

Opernpremiere „La gazza ladra“

Zwischen Krimi und Sozialdrama


Von Guido Holze, Frankfurt

Wer shawl das Besteck geklaut? So ganz klar ist die Sache nicht. Premiere von Rossinis „La gazza ladra“ in David
Aldens Inszenierung an der Oper Frankfurt.

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