Politik aus dem Herzen: Der Papst als Weltdiplomat – FAZ

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Papst Franziskus

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Papst Franziskus

Papst Franziskus ist in seiner kurzen Amtszeit bereits ein Mahner für Frieden und Religionsfreiheit geworden. Dabei lässt er sich weniger von geopolitischen Ideen lenken. Vielmehr setzt er sich für Arme und für Verfolgte ein, auf Lampedusa ebenso wie in Syrien, China und Venezuela. Papst Johannes Paul II. wollte die Demokratie in das kommunistische Osteuropa bringen, Benedikt XVI. hatte verfolgte Christen im Blick. Der Jesuitenpapst aus Argentinien aber betreibe „Politik aus dem Herzen“, so Vatikan-Beobachter Marco Politi.

Jörg Bremer


 
 


In der Kurie greift der Papst auf das Staatssekretariat zurück, das – mit Pietro Kardinal Parolin an der Spitze – die diplomatischen Beziehungen des Heiligen Stuhls zu anderen Staaten und den Kontakt zu den Nuntiaturen pflegt. Ihm untersteht die für die Außenpolitik zuständige „zweite Sektion“ mit Erzbischof Dominique Mamberti. Parolin, geboren 1955 bei Vicenza, hatte als Kirchendiplomat in vielen Weltgegenden Erfahrungen gesammelt, etwa bei Verhandlungen mit China, Vietnam und Israel. Von 2009 bis 2013 diente er als Nuntius in Venezuela. Nachdem ihn Präsident Nicolás Maduro darum gebeten hatte, die Gespräche mit der Opposition zu beobachten, will er dort wieder tätig werden.

Gespräch zwischen Franziskus und Obama nicht im Vordergrund

Kardinal Parolin genießt das Vertrauen des Papstes; die „zweite Sektion“ arbeite indes noch nicht völlig im Sinne des Papstes, heißt es am Heiligen Stuhl. Kritisiert werden der wenig charismatische, „überaus leise“ Erzbischof Mamberti, der unter Benedikt XVI. meist unabhängig als „Außenminister“ der Kurie fungiert hatte, und auch die Diplomaten, denen vorgeworfen wird, eine eigene Politik zu betreiben. Das wurde zuletzt sichtbar, als das offizielle Communiqué des Vatikans über das 50 Minuten lange Gespräch zwischen Papst Franziskus und Präsident Barack Obama den Eindruck vermittelt hatte, der Papst kritisiere Obamas Innenpolitik. Tatsächlich sprachen beide über Verbindendes – über den Glauben, die Armut, die Sehnsucht nach Frieden. Die Protokollanten der Kurie aber stellten das anschließende Gespräch Obamas mit Parolin und Mamberti in den Mittelpunkt, also die Anliegen der Diplomaten und der amerikanischen Bischofskonferenz, nicht aber die des Papstes. Gegen den Rat des Staatssekretariats handelte der Papst, als er im vergangenen Juli die Insel Lampedusa besuchte, um nach dem Tod von vierhundert Migranten die Teilnahmslosigkeit der Welt anzuprangern. Auf Wunsch des Papstes beschäftigt sich die apostolische Akademie der Wissenschaften seither mit Menschenhandel und moderner Sklaverei.

Ähnlich aus dem Herzen handelte der Papst im vergangenen September mit dem Fasten- und Gebetstag für den Frieden in Syrien. Mit seinem Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem Gastgeber des G-20-Gipfeltreffens in Sankt Petersburg, wandte er sich gegen militärisches Eingreifen, ob in der Ukraine oder in Syrien, wo der Papst auch Putins Unterstützung für das syrische Regime missbilligte. Das ist dem Non-Paper des Vatikans zu entnehmen, das zum Dialog für Frieden in Syrien aufrief. Der Papst forderte, die Eskalation der Gewalt müsse beendet und eine politische Lösung unter Wahrung der territorialen Integrität Syriens müsse gefunden werden. Alle Gruppen und Minderheiten sollten am Aufbau des neuen Syrien beteiligt sein.

Als Ende März die am Vatikan akkreditierten EU-Botschafter Erzbischof Mamberti dazu aufriefen, sich stärker für den Frieden und die Unantastbarkeit der Ukraine einzusetzen, stießen sie nach der Entführung des griechisch-katholischen Priesters Mykola Kvych durch prorussische Kräfte auf der Krim auf offene Ohren. Die Kirche hat aber Probleme in Kiew: Dort sind Teile des orthodoxen Klerus und des Patriarchats mit Moskau liiert, während die von Stalin verbotene, in den Untergrund gedrängte und mit dem Vatikan unierte griechisch-katholische Kirche auf dem Majdan eine Mitgliedschaft der Ukraine in der EU forderte.

Im August wird der Papst nach Korea reisen, zuvor unternimmt er vom 24. bis 26. Mai eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Franziskus solle so rasch wie möglich an die Geburtsstätten seines Glaubens reisen, hatte ihm sein Freund Abraham Skorka, der Rektor des lateinamerikanischen Rabbinerseminars, geraten. Das Programm arbeitet nicht so sehr das Staatssekretariat aus. Vielmehr arbeiten daran der Papst und sein Freund Claudio Epelman, der Generaldirektor des American Jewish Congress in Lateinamerika. Im Blick wird der Papst vor allem die christlich-jüdische Ökumene haben.

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Quelle: F.A.Z.

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Politik aus dem Herzen: Der Papst als Weltdiplomat

Politik aus dem Herzen

Der Papst als Weltdiplomat


Von Jörg Bremer, Rom

Franziskus macht eine Außenpolitik aus dem Herzen und nicht nach geopolitischen Vorgaben. Der Einfluss des vatikanischen Staatssekretariates hält sich dabei in Grenzen.

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Von
Daniel Deckers

By | 2014-04-19T00:47:19+00:00 April 19th, 2014|Politik|0 Comments

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