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Rhein-Main-Kompass – Frankfurter Rundschau Rhein-Main

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70 Prozent der befragten Unternehmen haben keine unterstützenden Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer. Foto: imago stock&people

Der Rhein-Main-Kompass beweist: Unternehmen schätzen ältere Arbeitnehmer. 60 Prozent der befragten Führungskräfte sind der Meinung, dass der Anteil älterer Arbeitnehmer an der Wertschöpfung steigt.

Die Rente mit 63 gehört zu den umstrittensten Plänen der großen Koalition. Unternehmer und Spitzenmanager aus dem Rhein-Main-Gebiet stehen einem frühen Ausscheiden von älteren Arbeitnehmern skeptisch gegenüber. Diese würden immer mehr zur Wertschöpfung beitragen und seien also von großer Bedeutung für die Betriebe. Ihr Ausscheiden wirke sich negativ auf das Unternehmenswachstum aus.

Der aktuelle Rhein-Main-Kompass, für den im Februar 405 Führungskräfte der ersten Entscheidungsebene im Auftrag der Frankfurter Rundschau und ihrer Partner befragt wurden, zeigt aber auch: Firmen können das Ausscheiden Älterer kompensieren. Und kaum ein Betrieb unterstützt einen fließenden Übergang in den Ruhestand.

60 Prozent der Führungskräfte sagen, der Anteil von Arbeitnehmern über 50 an der Wertschöpfung sei in den vergangenen 15 Jahren „gestiegen“ oder „eher gestiegen“. Zurückgegangen ist er nach Ansicht von 19 Prozent. Auch Manager aus Branchen, in denen schwere körperliche Arbeit Alltag ist, haben keine auffallend abweichende Meinung. Folglich sagen zusammen ebenfalls 60 Prozent der Befragten, dass Ältere als Fachkräfte für ihr Unternehmen eine „große“ oder „eher große“ Bedeutung haben.

Vor allem das Handwerk weicht deutlich nach oben ab – 70 Prozent messen älteren Mitarbeitern überdurchschnittliche Bedeutung zu. Als Konsequenz erkennen nur fünf Prozent positive Folgen eines früheren Ausscheidens älterer Arbeitnehmer, ein gutes Drittel sieht keine Auswirkungen. Immerhin 57 Prozent hingegen befürchten negative Konsequenzen.

Gewerkschaften begründen ihre Forderungen nach einem frühem Ausscheiden damit, dass Ältere den Anforderungen nicht mehr gewachsen seien. Beschäftigte auf dem Bau wie im Büro würden aus körperlichen oder psychischen Gründen, oder weil ihre Kenntnisse nicht mehr aktuell sind, häufig nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können. Und Gewerkschaften kritisieren, dass Arbeitgeber keine Vorsorge für einen Übergang treffen, der Fachwissen im Betrieb hält.
Es läuft rund für die Wirtschaft

Die Umfrage zeigt: Gewerkschaften haben recht. 70 Prozent der Befragten haben keine unterstützenden Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer, nur 26 Prozent bieten sie. Von jenen, die sich engagieren, ermöglichen gut 80 Prozent flexible Arbeitszeiten oder altersgemischte Teams. Projektbezogene Mitarbeit für Ältere bieten 62 Prozent. Und in Weiterbildung, altersgerechte Arbeitsplätze oder Gesundheitsmanagement investieren nur zwischen 50 und 59 Prozent. Und daran wird sich nichts ändern: 14 Prozent möchte solche Maßnahmen einführen, 83 Prozent nicht. Das mag auch damit zusammenhängen, dass nur ein knappes Drittel die Neigung der Arbeitnehmer zum vorgezogenen Renteneintritt als hoch einschätzen, 58 Prozent als gering. 60 Prozent sind zuversichtlich, vorzeitig ausscheidende Mitarbeiter ersetzen zu können. Jeweils 42 Prozent setzen auf Umstrukturierungen oder Fachkräfte aus dem Ausland, ein knappes Drittel auf technische Maßnahmen.

Neben der Rente war bei der jüngsten Umfrage auch die Konjunktur wieder ein Thema. Es läuft rund für die Wirtschaft in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet, 66 Prozent der Entscheider beurteilen die Rahmenbedingungen als gut. So positiv war die Stimmung zuletzt im Februar 2012, vor drei Monaten lag dieser Wert nur bei 60 Prozent. 84 Prozent erwarten unverändert gute Bedingungen in den kommenden zwölf Monaten bleiben. Investieren oder einstellen wollen die Manager aber deshalb nicht übermäßig, nur je gut ein Viertel wollen ihre Budgets für Investitionen oder Personal erhöhen.

Der Rhein-Main-Kompass ist eine repräsentative monatliche Umfrage unter Managern und Firmeninhabern in der Region. Im Auftrag von FR, Rheinmain-TV, Landesbank Hessen-Thüringen und der Frankfurter Sparkasse ermittelt das Forschungsinstitut eOpinio, wie in den Chefetagen gedacht wird. Rheinmain-TV berichtet heute um 21 Uhr darüber.

Rhein-Main-Kompass – Frankfurter Rundschau
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