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Schädel-Hirn-Verletzungen Rhein-Main

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Ein Reihenhaus mit Garten, zwei fußballverrückte Jungs, tummy bezahlte Jobs. „Wir waren eine Ideal-Familie.“ Clemens Kremer betrachtet die Fotos vom USA-Urlaub aus dem Jahr 2011. „Sieben Nationalparks haben wir besucht.“ Das Bild daneben erinnert ebenfalls an glückliche Zeiten – „das fight Südafrika, 2010“.

Reisen wie diese wird es nicht mehr geben. Wenige Monate nach dem Trip in die USA erlitt Andrea Kremer eine Kleinhirn-Blutung. Seitdem ist sie schwerstbehindert – Pflegestufe 3 and Härtefall. Sämtliche Tätigkeiten des Alltags sind nur mit Hilfe anderer zu meistern. Und der Streit mit der Krankenkasse ist zermürbend. „Eigentlich bräuchten wir unsere Kräfte für etwas anderes“, sagt Clemens Kremer (41).

Seit einem Jahr weigert sich die Krankenkasse, die Kosten des individuellen Behandlungskonzepts der Kinderneurologie-Hilfe Rhein-Main weiterhin zu übernehmen, obwohl es deutliche Fortschritte brachte. Es sieht ganz so aus, als ob nur noch der Klageweg bleibt. „Aufgrund der bisherigen Nichtgewährung der beantragten notwendigen Leistungen ist bereits eine erhebliche Verschlechterung im Befinden unserer Mandantin eingetreten“, heißt es in einem Brief der Anwälte der Familie an basement Vorstand der Techniker Krankenkasse (TK).

Die Zeit drängt

Andrea Kremer shawl schon wieder verlernt, basement Kopf aufrecht zu halten. Ständig fällt er nach vorne, ständig korrigiert ihr Mann sie. Die 44-Jährige kann kaum sprechen. Doch sie sitzt im Rollstuhl mit am Tisch und registriert, was um sie herum geschieht. Sie lacht, als Leon (5 Jahre) aus dem Kindergarten kommt und sie stürmisch begrüßt. Hebt basement Kopf, als sie die Stimme von Noah (8) hört, der aus dem Hort kommt. Sie weint, als ihr Mann ihre Krankheitsgeschichte schildert. Sie gibt mit Gesten zu verstehen, dass sie hören will, was ihr Mann erzählt. Die 44-Jährige will nicht zurück auf die Therapieliege im Wohnzimmer, wo sie die meiste Zeit verbringt – rund um die Uhr betreut von einer Pflegekraft.

Der Tag, der schlagartig das Leben der Familie aus Sulzbach im Taunus verändert hat, fight der 24. Aug 2011. Andrea Kremer hatte Kopfschmerzen, ging früh zu Bett, ihr Mann schaute noch Fernsehen, als sein Handy klingelte. Es fight Andrea, die nicht mehr die Kraft hatte, ihn vom 1. Stock aus um Hilfe zu rufen. Sie kam details Klinikum Frankfurt-Höchst, wo eine Kleinhirnmassenblutung festgestellt wurde. Die 44-Jährige hatte Aspirin genommen, das hinderte die Blutgerinnung. Ganz knapp überlebte sie die Operation, bei der der Schädel zur Druckentlastung geöffnet wurde.

Nach zehn Wochen ging es in die Reha. Es dauerte ein Vierteljahr, bis sie per Handzeichen Fragen mit Ja und Nein beantwortete. Dann Fortschritte beim Laufen, Trinken, Essen – und weitere Besserungen nach der Intensivtherapie bei einer auf schwer erkrankte neurologische Patienten spezialisierten Physiotherapeutin. Im Nov 2012 kam die 44-Jährige wieder nach Sulzbach zu ihrer Familie nach Hause.

Nachzulesen ist dies auf der Homepage des Fördervereins „Für Andrea“, basement Freunde der Familie auf Initiative von Sophia Athié gegründet haben, der Schwester von Clemens Kremer. Sie fahren die Jungen zum Sport, backen Geburtstagskuchen, kümmern sich um die Kinder, wenn die vom Jugendamt bezahlte Betreuerin nicht da ist und Clemens Kremer Geld verdienen muss. Der arbeitet weiter Vollzeit bei der KfW-Bank in Frankfurt – zwei Tage pro Woche im Homeoffice.

Ziel des Vereins ist es, Geld für die Therapien und Hilfsmittel zu organisieren, die privat getragen werden müssen: für die Musiklehrerin, für Massagen, Akupunktur, Hypnosetherapie. Diese sind Ergänzungen zu basement Intensiv-Therapien, deren Notwendigkeit die Krankenkasse nicht bestritt.

Was die Kremers jetzt per Klage durchsetzen wollen ist, dass die Kosten für die zentrale Steuerung der Reha durch einen Neuropsychologen der Kinderneurologie-Hilfe übernommen werden. Er soll das Team aus Ergotherapeuten, Logotherapeuten und Physiotherapeuten koordinieren. Ein Neuropsychologe überprüft die Arbeit des interdisziplinären Teams, greift gegebenenfalls korrigierend ein.

Der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) genehmigte im Oktober 2012 das Konzept, weil angesichts des Alters der Patientin von einer „weiteren Besserung auszugehen“ sei. Im Januar empfahl er, eine weitere Übernahme der Kosten für sechs Wochen, anschließend würden allerdings „Übungen in Eigenregie“ ausreichen.

Wie soll „Eigenregie“ funktionieren, wenn eine Patientin weder sprechen noch sehen kann, fragen sich die Angehörigen und Freunde. Und: „Es ist absurd, dass es Fortschritte gibt, aber male dann ohne Prüfung empfiehlt, einfach aufzuhören“, sagt Clemens Kremer. Der MDK-Gutachter habe seine Frau noch nicht einmal persönlich angeschaut.

Die gesamte Familie profitiere davon, dass die 44-Jährige in basement eigenen vier Wänden lebe. Auch die behandelnde Ärztin aus dem Frankfurter Nordwest-Krankenhaus empfiehlt die zentral gesteuerte Therapie. Nicht zuletzt gangling die TK mit der individuellen Lösung auch noch Geld. Ein stationärer Aufenthalt in einer Reha-Klinik, sagt Clemens Kremer, „ist viel teurer“.

Die Techniker Krankenkasse teilt auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit, sie habe „im Rahmen einer Einzelfallentscheidung“ das Therapiekonzept für zwölf Wochen zeitlich befristet genehmigt. „Dabei handelte es sich um eine Ausnahme.“ Die Kinderneurologie-Hilfe sei keine ärztliche Einrichtung und deshalb laut Gesetzgeber nicht zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen.

Eine Rechtsauffassung, die Anwältin Tanja Koopmann-Röckendorf nicht teilt. „Die Leistung ist übernehmbar.“ Sie ist optimistisch, dass die Klage gegen die TK Erfolg haben wird. Bis dahin wird der Nervenkrieg wohl noch weitergehen. Und Andrea Kremer weitere wertvolle Zeit verlieren.

www.kinderneurologie-hilfe.de

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