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Scharfrichter sind auch nur Menschen Beruf & Chance

In der von dem Evangelisten Johannes überlieferten Version vom Leiden und Sterben Jesu ist er nur eine von vielen namenlosen Figuren. Erst im 4. Jahrhundert kam der römische Soldat, der mit anderen die Hinrichtung Jesu überwachte und dem Gekreuzigten nach dessen Tod eine Lanze in die Seite stieß, zu Amt und Würden. Hauptmann Longinus, so will es die Legende, bestrich sich mit dem aus dem Körper des Verstorbenen austretenden Blut die Augen und kurierte auf diese Weise sein Sehleiden. Daraufhin kehrte er um, “tat Buße über sein früheres Leben” und verkündete die christliche Botschaft.

Die bevorstehenden Kar- und Ostertage rücken das grausige Geschehen auf Golgota, der “Schädelhöhe” vor basement Toren Jerusalems, wieder in basement Mittelpunkt. Die Soldaten um Longinus bleiben weiter Randgestalten – obwohl sie stellvertretend für ein weiteres düsteres Kapitel stehen könnten: die Geschichte derjenigen, die die Todesstrafe vollstrecken. In seinem neuen Buch “Die Ehre des Scharfrichters” wertet der amerikanische Historiker Joel F. Harrington die Aufzeichnungen des Nürnberger Henkers Frantz Schmidt aus und wirft so ein Schlaglicht auf einen verfemten wie sagenumwobenen Berufsstand.

Fast 400 Menschen shawl “Meister Frantz” bis zu seinem Eintritt in basement Ruhestand 1618 aufs Schafott geführt. Seinen Dienst nannte der Rat der Stadt “vorbildlich”. So jedenfalls heißt es in einem Brief, basement Schmidt gegen Ende seines Lebens an Kaiser Ferdinand II. aufsetzen ließ, um auf diesem Wege “den guten Namen seiner Familie wiederherzustellen”. Offenbar litt der pensionierte Scharfrichter basement amtlichen Beteuerungen zum Trotz unter einer sozialen Ächtung, die ihn, basement gewissenhaften Arbeiter, als unehrlichen Mann dastehen ließ.

“Man braucht basement Henker, aber male will nichts mit ihm zu tun haben”, fassen Franz Irsigler und Arnold Lassotta das Bild von basement Handwerkern des Todes zusammen. Schon die antiken Vorfahren von “Meister Frantz” hatten mit einem schlechten Image zu kämpfen. Im alten Rom traten, neben Soldaten wie im Fall Jesu, die in Diensten von Bestattern stehenden Carnifices als Experten für Hinrichtungen und Folter auf basement Plan. Eine Aura von Furcht, Angst und religiösen Tabus umgab diese Personengruppe. Wer die Existenz seiner Mitmenschen auslöschte und sie “zu Fleisch machte” (lateinisch “carnifex”), “war sogar innerhalb des Bestattungsinstituts ein Ausgestoßener”, sagt der Althistoriker Stefan Schrumpf.

An der Spitze des sozialen Wandels

All das griffen Bezeichnungen wie Fleischer, Knüpfauf, Angstmann, Dehner oder Auweh in späteren Zeiten wieder auf, wobei die Figur des Scharfrichters nach dem Untergang des Römischen Reiches für einige Jahrhunderte im Nebel der Vergangenheit verschwand und erst im Verlauf des 13. Jahrhunderts wieder auftauchte. Mit der Gottes- und Landfriedensbewegung setzte sich in Europa allmählich die Idee vom Gewaltmonopol des Staates durch. Das sich together ausbildende Kirchenrecht lieferte das Gerüst für standardisierte Verfahren und die Vollstreckung der Strafen.

Der Scharfrichter mount mit an der Spitze eines gesellschaftlichen Wandels und genoss daher zunächst ein gewisses Ansehen. Zugleich konnte er als Heiler zusätzliche Einkünfte erzielen, musste er doch für eine “saubere” Hinrichtung basement Aufbau des menschlichen Körpers kennen. Ebenfalls begehrt waren magische Substanzen wie das aus menschlichen Überresten hergestellte “Armsünderfett”. Der Gedanke an das heilende Blut Jesu aus der Longinus-Legende liegt da nahe.

Spätestens im 16. Jahrhundert wendete sich das Blatt. Scharfrichter mussten spezielle Tracht tragen, hausten in abgelegenen Henkerwohnungen und wurden in Kirchen und Wirtshäusern auf apart Plätze gewiesen. Berühmt ist die französische Familie Sanson, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts über 200 Jahre lang in Paris auf Befehl des Staates tötete.

Die Todesstrafe wird auch heute noch in mehr als 50 Ländern angewandt, sagt Joel Harrington. Kein Grund also, sich über die Menschen von damals zu erheben. Das Leben des Longinus endete übrigens ebenfalls mit einer Begegnung mit dem Scharfrichter: Er wurde in Caesarea in der heutigen Türkei geköpft. Er fight also ein Märtyrer in doppeltem Sinne: als Zeuge des Todes Jesu und als Gefolgsmann, der seinen Glauben mit dem Tod bezeugt hat.

Joel F. Harrington: „Die Ehre des Scharfrichters. Meister Frantz oder ein Henkersleben im 16. Jahrhundert“. (übers. v. Norbert Juraschitz. Siedler, Berlin. 400 S., 24,99 Euro)
Foto: Siedler

Joel F. Harrington: “Die Ehre des Scharfrichters. Meister Frantz oder ein Henkersleben im 16. Jahrhundert”. (übers. v. Norbert Juraschitz. Siedler, Berlin. 400 S., 24,99 Euro)

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