Südkorea: Reise zur Grenze mit Nordkorea – T

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Südkorea: Reise zur Grenze mit Nordkorea – T

Bedrohliche Idylle

Ein Ausflug zur nordkoreanischen Grenze

25.03.2014, 12:18 Uhr
| dpa


Südkorea: Reise zur Grenze mit Nordkorea. Südkoreanische Fähnchen an einem der Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Nordkorea. (Quelle: dpa)



Südkoreanische Fähnchen an einem der Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Nordkorea. (Quelle: dpa)

Einer der gefährlichsten Landstriche der Erde sieht auf den ersten Blick aus wie ein Ausflugsziel für Familien am Wochenende. Sattgrüne Wiesen säumen kleine Waldstücke, man möchte sofort zu einem Spaziergang aufbrechen. Alles wirkt friedlich. Aber es gibt keinen Frieden an diesem Ort. Sichtbar wird das nur auf den zweiten Blick, zum Beispiel, wenn man die Sprengladungen unter den Brücken entdeckt, die jederzeit gezündet werden können, sollte der Feind einmarschieren.

Die Demilitarisierte Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea ist eine absurde Idylle. Nach dem Ende des Koreakrieges 1953 wurde die Sperrzone eingerichtet, als Puffer zwischen den beiden Staaten, die sich bis heute formal im Kriegszustand befinden. So wuchs in 60 Jahren eine vom Menschen unberührte Natur heran. Bedrohte Arten wie der Mandschurenkranich fanden eine sichere Heimat.

Nicht mit Flip-Flops ins Grenzgebiet

Reisende in Seoul haben die Möglichkeit, das Grenzgebiet auf einer geführten Tour unter Aufsicht von Soldaten der UN-Waffenstillstandskommission zu besuchen. Südkoreanischen Zivilisten ist das untersagt. “Sie müssen ordentliche Kleidung tragen, sonst denken die Nordkoreaner, wir seien arm und nutzen das als Propaganda”, sagt Gruppenführerin Gina Lee, eine Frau mit der Stimme einer Losverkäuferin. Auch Flip-Flops seien nicht erlaubt. “Sonst können wir nicht so schnell laufen, wenn etwas passiert.”

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Erster Busstopp auf dem Weg zur DMZ ist das Odusan Observatorium, von dem man den äußeren Rand der letzten stalinistischen Diktatur der Welt beobachten kann. Er erstreckt sich jenseits des Han-Flusses. Ein Film über die Hungerkrise in den 90er Jahren ist mit den pathetischen Klängen des “Herr der Ringe”-Soundtracks unterlegt. Die Besucher erfahren etwas über die Bemühungen um die Wiedervereinigung, auch ein Stück der Berliner Mauer ist ausgestellt. “In Korea ist die Situation sehr viel komplizierter als damals in Deutschland“, sagt Gina Lee.

Überläuferin aus Nordkorea erzählt

Dann beginnt eine Frau zu erzählen, deren Name und Gesicht nicht im Internet zu finden sein darf. Sie ist über China und Thailand aus Nordkorea geflohen – eine Überläuferin aus der Stadt Chongjin. “Als ich nach 20 Jahren vom Militär zurück nach Hause kam, hatte ich nichts mehr, wovon ich leben konnte”, sagt sie. “Die Soldaten in den Camps verhungern.” Also bestach sie Parteikader und verließ das Land.

Führer Kim Jong-un hat bisher kaum Bemühungen unternommen, das wirtschaftlich darbende Nordkorea zu öffnen und die Isolationspolitik seines Vaters aufzugeben. “Aber die Leute glauben die Propaganda nicht mehr”, sagt die Frau aus Chongjin. “Durch Bestechung kann man sich fast alles besorgen, es kommt alles über China.” Eines der größten Probleme des Landes sei eine Droge namens “Ice”, ein billiges Methylamphetamin, das die ohnehin arme Bevölkerung dahinraffe.

Ein Besuch an der Demarkationslinie

Der Blick durch das Fernglas hinüber nach Nordkorea erscheint unreal, als könne es so ein Land in Zeiten globaler Diplomatie eigentlich nicht mehr geben. Aber es liegt einfach da. Der Bus fährt weiter zur Bahnstation Dorasan, den letzten Punkt auf der Bahnlinie nach Nordkorea. Viermal am Tag fährt tatsächlich ein Zug über die Brücke der Freiheit, aber er ist immer leer. Irgendwann, so hoffen die Südkoreaner, könnte die Bahn wieder beide Teile Koreas verbinden. “Aber die jungen Leute haben Zweifel”, sagt Gina Lee.

Der Höhepunkt der Tour ist der Besuch von Panmunjeom – direkt an der Demarkationslinie innerhalb der militärischen Sperrzone. Es ist der einzige Ort in der DMZ, an dem sich Zivilisten aufhalten dürfen. Allerdings müssen sie alle Gegenstände im Bus lassen. “Auch die Schirme”, sagt Gina Lee. “Da könnte ja eine Waffe drin sein.” Teleobjektive mit mehr als 90 Millimetern Brennweite sind aber erlaubt, sodass sich die ungerührten Gesichter der nordkoreanischen Grenzsoldaten später nah heranzoomen lassen.

Die UN-Waffenstillstandskommission verwaltet das Militärlager

Vorher muss die Besuchergruppe jedoch den Bus wechseln. Im Camp Bonifas, unweit der DMZ, übernimmt US-Soldat Hubbard die Führung. Auf einem Schild steht: “100-prozentige Identifikation, keine Ausnahmen”, die Reisepässe werden kontrolliert. Die UN-Waffenstillstandskommission verwaltet das Militärlager, das nach US-Captain Arthur G. Bonifas benannt ist, der 1976 von nordkoreanischen Soldaten in der DMZ mit einer Axt getötet wurde.

Bis nach Panmunjeom sind es jetzt noch vier Kilometer. Der Bus passiert einen Anti-Panzer-Wall, nach wenigen Minuten ist der Zielort erreicht. Alle Passagiere steigen aus. “Nicht winken, nicht wedeln, nicht rufen, in zwei Reihen aufstellen”, befiehlt Hubbard, der exakt so spricht wie ein Hollywood-Sergeant in einem Kriegsfilm. Die Gruppe trippelt verschüchtert los, durch das sogenannte Freedom House bis zu den drei blauen UN-Baracken, die direkt auf dem Grenzstreifen stehen.

Nord- und Südkorea in einer Baracke

Auf der anderen Seite der weißen Linie nimmt ein nordkoreanischer Soldat die Besucher argwöhnisch mit dem Fernglas ins Visier. Ihm gegenüber stehen die südkoreanischen Soldaten mit Sonnenbrillen und geballten Fäusten, die Gesichter regungslos nach Norden gerichtet. Nur für wenige Minuten ist es den Besuchern erlaubt, die Grenzbaracken zu betreten. Drinnen steht ein Südkoreaner in Uniform vor der Tür, hinter der Nordkorea liegt. Er sieht aus wie eine Wachsfigur.

Regelmäßig besuchen auch Touristengruppen aus dem Norden die kleinen Räume, in denen schon oft politische Verhandlungen zwischen beiden Staaten geführt wurden. “Wenn Nordkoreaner drin sind, können wir nicht rein. Und wenn wir drin sind, können die nicht rein”, erklärt Gina Lee. “Wir können nie an einem Ort sein.” In der DMZ zwitschern zwar die Vögel, aber die Grenze bleibt unüberwindbar – und tödlich.

Weitere Informationen:

Infos zur DMZ: http://german.visitkorea.or.kr
Auswärtiges Amt zu Nordkorea: www.auswaertiges-amt.de
Amnesty International zu Nordkorea: www.amnesty.de
Infos zu Touren: www.cosmojin.com; http://koreadmztour.com
Bericht “Korea Times” zum Industriegebiet Kaesong: www.koreatimes.co.kr

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By | 2014-03-25T17:50:54+00:00 March 25th, 2014|Reise|0 Comments

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