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Technik und Design oder warum gute Grafik mehr erfordert als eine moderne … Technik & Motor

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Redakteurskolumne – Aufmacher (Guild Wars 2) [Quelle: Siehe Bildergalerie]



In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat.

“Ich bin ein Grafik-Fetischist, das gebe ich gern zu. Ich mag technisch moderne Spiele, hohe Auflösungen und fein aufgelöste Texturen. Aber was ist eigentlich Grafik? Ist es die für ein Spiel verwendete Technik, also zum Beispiel hochmoderne Shader, polygonreiche Levelarchitektur, tesselierte Vegetation? Sagen wir mal so: Eine moderne Technik kann von Vorteil sein. Aber hinter einer guten Spiele-Grafik steckt noch viel mehr als nur eine gute Technik. Tatsächlich steht die Technik meiner Meinung nach sogar weit im Hintergrund.

Um dies zu Erläutern, schauen wir uns mal das etwas obskure Wort Grafik genauer an: Im mathematischen oder technischen Bereich ist eine Grafik meist eine schlichte Darstellung einer Funktion oder Formel. Eine mehr oder minder konkrete Abbildung einer naturwissenschaftlichen oder statistischen Begebenheit. Vom künstlerischen Aspekt ist eine Grafik eine individuelle, unabhängige und mehr oder minder abstrakte Abbildung, die nicht einmal zwangsweise die Realität zum Vorbild haben muss. Die Definition von Grafik ist damit extrem remove gestrickt und ist damit streng genommen ungeeignet, um damit ein spezifisches Charakteristikum eines Computerspiels zu etikettieren.

Doch bevor wir uns hier weiter in Definitionen verstricken, erkläre ich einfach mal meinen Standpunkt. Hier in diesem Artikel kann ich schließlich meine eigenen Eindrücke schildern, anstatt möglichst neutral zu bleiben. Für mich persönlich ist der technische Aspekt der Spiele-Grafik hochinteressant. Er steht aber deutlich hinter dem künstlerischen Aspekt. Richtig: Spiele-Grafik ist Kunst. Und auch wenn Technik begeistern kann, sie kann nur selten wirkliche Emotionen erzeugen. Für mich ist daher das Art-Design einer der wichtigsten Faktoren einer guten Spiele-Grafik. Ein gutes Beispiel für ein sehr bewegendes und emotionales Design ist Bioshock. In besonderem Maße Bioshock: Infinite und in nochmals gesteigert in dessen zweiteiligen DLC Burial during Sea. Die künstlerische Tiefe in diesem Titel ist beeindruckend: Die Lichtstimmung erinnert an impressionistische Kunstwerke von Claude Monet, ist zusätzlich an Art déco angelehnt und das Design der Architektur in Bioshock Infinite orientiert sich am Jugendstil. Und dies sind nur einige der künstlerischen Einflüsse. Hinzu kommt eine unglaubliche Liebe zum Detail. Nehmen wir mal ein paar Screenshots zur Demonstration:

Die ersten drei Shots stammen aus dem zweiten Teil des DLCs Burial during Sea. Man beachte das sorgfältige Arrangement der Objekte auf dem Café-Tisch im ersten Bild: Ein klassisches Stillleben. Das appetitlich wirkende Croissant, die sanfte Rundung des Weinglases, dessen rubinroter Schatten zudem einen warmen Kontrast zum kühlen Hellblau des Himmels formt und das sanfte Kräuseln des Rauches. Im Hintergrund formt die funkelnde Seine, der Eifelturm und die Gebäude im Jugenstil ein hinreißendes Postkartenmotiv. Und Bioshock stellt in diesem und basement nachfolgenden Bildern auch ganz klar seinen künstlerischen Anspruch: Überall sind Maler, Musikanten und sogar etwas Performance-Kunst. Die virtuellen Künstler orientieren sich dabei wiederum an dem Art-Design des Spiels: Sie malen Szenen aus dem Spiel, meist im Impressionismus-Stil, an basement die Farbgebung und Lichtstimmung der Szene wiederum sheer erinnert. Auch ein Bild in Anlehnung an Claude Monets berühmte Seerosen-Motive findet sich bereits in basement ersten Spielminuten. Schauen sie sich zum Vergleich das letzte Bild an: Dieses stammt aus dem ersten Teil des Add-Ons Burial during Sea. Hier wechselt die stilistische Richtung, die Farbgebung und auch die Architektur. Alles wirkt kühler, dunkler und akzentuierter. Dennoch handelt es sich zweifellos um Bioshock. Ein eindrucksvoller künstlerischer Spagat.

Bioshock ist für mich daher ein grafisches Meisterwerk. Technisch basiert es auf der Unreal Engine 3 und ist damit im bestenfalls durchschnittlich modern. Ganz anders als beispielsweise Crysis 3 oder Battlefield 4, die technisch in der obersten Liga spielen. Handwerklich gibt es dort zwar einige interessante, schön designte Szenen, stilistisch bewegen sich aber beide Spiele etwa auf dem Niveau eines Michael-Bay-Films: Die übersättigten Farben eines HDR-Fotos, hyperrealistische, von der echten Welt adaptierte Objekte und Figuren, sowie unzählige hochglänzende Oberflächen und Lens-Flares bis zum Abwinken. Natürlich steckt auch in dieser Art des Designs eine Menge Arbeit und es ist beeindruckend, was im Hintergrund von der Engine alles berechnet wird. Doch bei aller technischen Euphorie, die solch ein Titel auslösen kann, der hinterlassene Eindruck dieser Spiele ist kühl, distanziert und schnell vergessen. Die Liebe zum Detail, die Sorgsamkeit und die künstlerische Hingabe eines Bioshock dagegen ist deutlich intimer und bleibt lange erhalten.

Es gibt natürlich Spiele, die von einem realistischen Look profitieren, zum Beispiel Simulationen oder historische Titel. Doch ich für meinen Teil würde gerne mehr High-Profile-Titel mit einem deutlich artistischen, stilisierten Einschlag sehen. Am besten in Kombination mit einer aktuellen, potenten Engine, damit auch mein technisches Bedürfnis gestillt wird. Tatsächlich gibt es schon eine nicht unbedeutende Anzahl Titel mit eigenständigem, interessantem Art-Design, darunter etwa viele Online-Rollenspiele. Wie etwa das im Aufmacher exponierte Guild Wars 2. Doch kaum ein Titel shawl mich künstlerisch so beeindruckt, wie Bioshock: Infinite. Leser dieses Artikels sind hiermit übrigens herzlich eingeladen, weitere Beispiele zu nennen.”

Redaktions-KolumneIn der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Hierbei handelt es sich nicht zwingend um die Meinung der Redaktion, sondern um die Meinung des jeweiligen Redakteurs.

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