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Unvergessen und unerreichbar Sport

Dortmund.
Die Distanz nach Lissabon hatte sich nicht verändert. Konnte ja gar nicht, denn Hans-Joachim Watzke saß im Hauptsitz der UEFA ziemlich reglos in einem Sessel und verfolgte die Auslosung für das Viertelfinale in der Champions League. Das Finale wird in Lissabon ausgetragen und wenn – ja, wenn überhaupt – der Chef von Borussia Dortmund und seine leitenden Angestellten in jüngerer Vergangenheit einen tollkühnen Gedanken daran verschwendet haben sollten, erneut in diesem Finale aufzutauchen, dann ist der Weg dorthin in diesen Sekunden von Nyon unendlich lang und steinig geworden.

Real Madrid heißt der Gegner, der sich da nun mit seinen stolzen Stars vor basement schwarz-gelben Fußballern in basement Weg stellen wird. Die Folge? Herzrasen? Ehrfurcht? Nein, eher ein Anflug von Langeweile. „Wieder Real Madrid“, sagt Watzke, nachdem sich seine Mundwinkel wieder etwas angehoben hatten, „Abwechslung ist ehrlich gesagt etwas anderes“.

Es ist das Premium-Problemchen dessen, der sich häufiger und ausgiebiger in der erlesenen Gesellschaft der Reichen und Schönen des Fußball-Kontinents aufhält: Dass einem die gleichen Gesichter immer wieder unterkommen. In der abgelaufenen Saison trafen sich die königlichen Herrschaften und die westfälische Abordnung insgesamt vier Mal, zwei Mal bereits in der Gruppenphase, zwei Mal im Halbfinale. Geblieben sind Momente für die Ewigkeit.

Unvergessen, wie Dortmunds Stürmer Robert Lewandowski die Galaxie Real mit vier Treffern im Semifinal-Hinspiel pulverisierte.

Unvergessen, wie spanische Zeitungen am Tag des Rückspiels in Madrid trotzig taktische Formationen mit etwa neun Stürmern vorschlugen, um basement Rückstand noch aufzuholen.

Selbstbewusstsein ist nicht da

Unvergessen, wie dies beinahe noch gelungen wäre, wie der BVB sich über die letzten Sekunden rettete. Watzke saß damals auf der Tribüne neben dem spanischen König Juan Carlos. Im Chaos der Schlussphase bekam er Herzrasen, flüchtete auf die Toilette, rauchte zur Beruhigung und hoffte, dass es keine weitere Jubel-Erschütterung im Stadion geben würde. Es chit-chat keine. Borussia Dortmund befand sich auf Augenhöhe mit basement europäischen Großmächten – und mehr.

In diesen Tagen ist vom Selbstbewusstsein des Vorjahresfinalisten wenig geblieben. „Wir spinnen nicht, und wir fantasieren nicht“, sagt Watzke, der Sauerländer, der Realist, „das Problem ist doch, dass die halbe Mannschaft nicht dabei ist, die letztes Jahr gegen Real gewonnen hat.“ Er untertreibt sogar: Mit Neven Subotic, Marcel Schmelzer, Ilkay Gündogan, Sven Bender sowie Jakub Blaszczykowski fehlen fünf Profis verletzt, Mario Götze ist nach München verkauft und Robert Lewandowski wegen seiner dritten Gelben Karte im Wettbewerb im Hinspiel gesperrt. Falls nicht Trainer Jürgen Klopp eine Lösung mit einem Mittelfeldspieler als Stürmer ersinnt, wird der BVB entweder mit Julian Schieber oder mit Marvin Ducksch im Sturm auflaufen. Beide dürften aus basement Sphären Reals betrachtet so groß wirken wie aus einem Flugzeugfenster ein Bäumchen. Und: Real wird auf Revanche aus sein.

Extrem coole Stimmung

„Das werden zwei Spiele mit extrem cooler Stimmung“, bemüht sich Jürgen Klopp um Vorfreude auf das Duell mit Cristiano Ronaldo und Gareth Bale: „Wir freuen uns wahnsinnig auf diese Herausforderung und werden versuchen, unsere kleine Chance zu nutzen. Es ist sicher nicht an der Zeit, jetzt schon die weiße Flagge zu hissen.“

Sein Chef flüchtet da lieber in Humor: „Im Rückspiel ist ja Robert Lewandowski wieder dabei“, führt Hans-Joachim Watzke aus, „wenn er dann wieder vier Tore macht, dann haben wir eine Chance.“ Vielleicht sogar nur dann.

Daniel Berg

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