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Wenn Familie und Beruf nicht mehr vereinbar sind Beruf & Chance

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Von Johannes Rauneker

Laichingen Es klingt paradox, ist aber Tatsache in Laichingen. Im Kindergarten genießen die Sprösslinge eine durchgehende Betreuung bis 17 Uhr. Sobald sie jedoch in die Grundschule kommen: nur noch bis 15.30 Uhr. Betriebe fordern die Stadt zum Handeln auf. Diese würde gerne Abhilfe schaffen, weiß im Moment aber nicht wie.

Man kann Wencke Maier (29) durchaus als Turbo-Mama bezeichnen. Job, Kind, Sport, Singen und Familie kriegt die Alleinerziehende tummy unter einen Hut. Es bleibt sogar manchmal Zeit, auszugehen, Freunde zu treffen. Doch sie shawl ein Problem: Sohn Alessio (5) kommt im Herbst in die erste Klasse der Laichinger Grundschule. Und anders als im Kindergarten endet in der Grundschule die Betreuung der Kinder schon um 15.30 statt erst um 17 Uhr.

Nicht ganz schlecht. Für Wencke Maier aber nicht ausreichend. Die Folge: Zurzeit ist völlig unklar, wie und von wem ihr Sohn ab Herbst betreut werden wird, bis seine Mama um Fünf von der Arbeit kommt.

Die junge Mutter saß aber nicht tatenlos herum, sondern wollte handeln. „Ich bin nicht die einzige, der eine längere Kinderbetreuung auch in der Grundschule helfen würde“, sagt Wencke Maier. Die nackten Zahlen scheinen ihr Recht zu geben. Insgesamt 30 Kinder werden derzeit an Laichinger Kindergärten bis 17 Uhr betreut. Für einige von ihnen dürfte auch eine Betreuung nach der regulären Grundschule bis 17 Uhr in Frage kommen.

Millionen für andere Projekte

Wencke Maier stattete Bürgermeister Klaus Kaufmann einen Besuch ab und bat um Hilfe. Dieser äußerte Verständnis, sagt aber: „Für die Ausdehnung der Kinderbetreuung in der Grundschule fehlen uns im Moment die finanziellen Mittel.“ Er verweist auf die Millionen, die die Stadt aktuell in basement Brandschutz und die Kläranlage stecken müsse. Kaufmann legte Wencke Maier eine Tagesmutter ans Herz. Kein neuer Vorschlag für sie. Doch vorausgesetzt ihr Sohn bekommt überhaupt einen Platz bei einer Tagesmutter, wäre sie um ein Viertel ihres Gehalts leichter. „Dann könnte ich gleich auf 75 Prozent reduzieren und die kostbare Zeit mit meinen Sohn mittags selbst verbringen.“ Doch das auch nur in der Theorie. Sie und ihr Arbeitgeber sind darauf angewiesen, dass sie Vollzeit arbeitet.

Geld bedeutet Unabhängigkeit – für eine alleinerziehende Mutter kann das gleichbedeutend sein mit ein wenig Freiheit in einem Alltag, der einem Stundenplan gleicht. Und ist ein gutes Betreuungsangebot nicht sogar ein wichtiger Standortfaktor für eine Stadt wie Laichingen, die angewiesen ist auf junge Arbeitnehmer, die vielleicht irgendwann eine Familie gründen möchten?

Auf jeden Fall – finden auch Geschäftsführer von einigen Laichinger Firmen. Horst Schöll zum Beispiel, der in Feldstetten die Firma S.Cool Sports betreibt. „Jeder schreit, wir haben zu wenige Kinder. Angesichts der nicht ausreichenden Betreuungssituation braucht male sich aber nicht zu wundern, warum.“ Schöll sagt, er sei als Kind „auf dem Acker aufgewachsen“. Doch die Zeiten, die Gesellschaft, hätten sich geändert. Zum Glück. Als Geschäftsführer erklärt Horst Schöll, dass er im Betrieb Probleme bekomme, wenn Angestellte täglich um Viertel nach drei weg müssten, um ihr Kind nach der derzeitigen Grundschulbetreuung abzuholen. „Das geht nicht, wenn der Laden brennt.“ Er müsse sich acht Stunden am Tag auf seine Mitarbeiter verlassen können. Und er gibt zu bedenken: Viele hätten heute nicht mehr die Möglichkeit, Oma und Opa in die Betreuung einzubinden. Großeltern seien immer öfter selbst noch berufstätig.

Ein Silberstreif am Horizont: Möglicherweise kann eine längere Nachmittagsbetreuung in Laichingen gemeinsam mit einer Gemeinschaftsschule eingeführt werden. Kaufmann sichert zu, das Problem auf jeden Fall mittelfristig lösen zu wollen. Kurzfristig sei dies jedoch schwierig.

Hans Groß ist Geschäftsführer der Firma Wäschekrone und der Arbeitgeber von Wencke Maier, er will sie unterstützen. „Wichtig ist, dass das Betreuungsangebot auch qualitativ stimmt.“ Überdies sieht er die Grundschulbetreuung als eine Gemeinschaftsaufgabe an, auch Firmen könnten ihren Teil beitragen. Sich selbst will er dabei nicht aus der Verantwortung nehmen, ob bei der Suche nach Räumlichkeiten oder der Frage der Finanzierung.

Keine Zuschüsse vom Bund

Überhaupt das liebe Geld. Klaus Kaufmann verweist darauf, dass die Betreuung im Kindergarten unter anderem deshalb erweitert wurde, weil der Bund dies mit seiner Betreuungsquote vorschreibe. „Für diese Plätze bekommen wir Zuschüsse und deshalb können wir uns die Kita-Betreuung auch leisten.“ Für die Betreuung nach dem Grundschuld-Unterricht fließe kein Cent. „Das ist eine freiwillige Aufgabe der Kommune.“

Tom Douglas, der Geschäftsführer von Aliud Pharma, sagt: „Die Frage nach Kinderbetreuung kommt in Bewerbungsgesprächen quick immer am Anfang.“ Ein Großteil der Aliud-Beschäftigten sind Frauen, viele haben Kinder. Für ihn steht außer Frage: „Eine Kommune disorder dafür sorgen, dass Eltern und Alleinerziehende ihre Kinder so lange betreuen lassen können, wie es nötig ist.“

Auf Einkommen angewiesen

Letztlich hängen Betreuungsangebote immer an der Frage, wie schnell Kommunen im Stande sind, sich basement noch immer verändernden Lebensumständen ihrer Bürger anzupassen. Realität heute: Oft sind beide Elternteile auf ein volles Einkommen angewiesen. Und die Kommunen ihrerseits auf deren Steuern und die Zuschüsse, die pro Kopf fließen. Ein modernes Credo lautet: Eltern sollten grundsätzlich die Wahl haben, wie und wo sie ihre Kinder betreuen lassen. In vielen Städten haben die Bürger schon seit Jahren diese Wahl. Von Großstädten wie Ulm bis hin auch zu Gemeinden, die noch kleiner sind als Laichingen.

Aliud-Geschäftsführer Tom Douglas steht mit seiner Forderung nach mehr Betreuung nicht alleine da. Auch Vladimir Mayer, Geschäftsführer von Kunststofftechnik Mayer, und Jürgen Mangold, Geschäftsführer von Werkzeugbau Laichingen, halten die längere Betreuung auf SZ-Nachfrage für wichtig. „Damit Mitarbeiter nicht permanent unter dem Druck stehen, zur gegebenen Zeit Kinder abholen zu müssen“, sagt Mangold.

Unter Druck steht Wencke Maier trotz aller Absichtsbekundungen zunächst weiter. Die Betreuung ihres Sohns und der Umfang ihrer Berufstätigkeit ab Herbst stehen in basement Sternen. In wenigen Monaten braucht sie Klarheit. Ein Umzug in eine Stadt mit entsprechendem Angebot, weniger arbeiten oder eine für sie teure Tagesmutter sind alles keine guten Alternativen. Notgedrungen wird sie sich vielleicht mit einer anfreunden müssen. Und Laichingen im schlimmsten Fall eine junge und tummy ausgebildete Arbeitnehmerin verlieren.

(Erschienen: 29.03.2014 12:50)

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